Durch die Armutsentwicklung und Polarisierung in der Gesellschaft seien die Hilfesysteme zwischen Jugendhilfe, Justiz, Psychiatrie und Schule einem massiven Problemdruck ausgesetzt. Die Jugendhilfe werde zu einer Art Notfallambulanz, die nur noch in besonders riskanten Fällen ausrücke. Schwierige Problemfälle würden "an die Überlaufbecken des Hilfesystems" weitergeleitet, wo es nur noch wenig Hilfe, aber immer mehr Druck gebe, sagte Wolffersdorf.
Nach Ansicht des Soziologen fördert die mediale Aufbereitung extremer Einzelfälle die Tendenz, die Jugendhilfe wieder stärker in eine ordnungspolitische Rolle zu drängen. Zugleich warnte er vor der Attraktivität solcher Lösungen: Freiheitsentzug als Erziehungsmittel sei eine "in die Vergangenheit weisende Alternative, die angesichts eines jederzeit aktivierbaren Bedürfnisses nach Strafverschärfung einem Spiel mit dem Feuer" gleichkomme.
Zu der Tagung über Freiheitsentzug von jungen Menschen waren über 80 Experten aus den Bereichen Sozialwissenschaft, Justiz und Strafvollzug in die Evangelische Akademie Bad Boll gekommen. Mitveranstalter waren die Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen sowie das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen.
Quelle: epd-südwest aktuell, 17.01.2009
Letzte Änderung dieser Seite: 23.01.2009
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