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Aktuelles
03.05.2004




 


Autor/in
Bernd-Rüdeger Sonnen

PKS 2003: Registrierte Jugendkriminalität ist im letzten Jahr leicht zurückgegangen
Polizei hat weniger Diebstahlsdelikte und mehr Gewaltdelikte registriert

 

Hannover – Anlässlich der heute stattfindenden Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erklärt der Vorsitzende der DVJJ, Prof. Dr. Bernd-Rüdeger Sonnen, Hamburg:
„Der leichte Anstieg im Bereich der Gewaltdelikte ist vorwiegend auf einen – zu begrüßenden – Bewusstseinswandel und eine gestiegene Anzeigebereitschaft zurückzuführen. Hier zeigt sich, dass die Gesellschaft sensibler auf die Anwendung von Gewalt reagiert.


Die Tatsache, dass der ganz überwiegende Teil der von Jugendlichen und Heranwachsenden begangenen Straftaten im Bereich der leichten und mittleren Kriminalität liegt, verdeutlich vielmehr eindringlich die Wichtigkeit unterstützender und sozialpädagogisch ausgerichteter Maßnahmen im Jugendstrafrecht.
Die nun vorliegenden Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2003 geben keinen Anlass für Verschärfungen im Jugendstrafrecht – wie sie in den letzten Monaten von verschiedenen Bundesländern gefordert wurden.“

Während die registrierten Straftaten insgesamt im vergangenen Jahr um 1,0% leicht gestiegen sind, ist – wie in den vergangen Jahren – die Anzahl der jugendlichen und heranwachsenden Straftäter leicht rückläufig.
Die aus den Bundesländern gemeldeten Angaben zur PKS erlauben für das Jahr 2003 zu folgenden Einschätzungen zu kommen:
Im vergangenen Jahr wurden 0,4% weniger Jugendliche und Heranwachsende als Tatverdächtige registriert als im Vorjahr. Insgesamt waren es 541.363. Der Anteil der jugendlichen und heranwachsenden Tatverdächtigen an den Tatverdächtigen insgesamt lag bei 23,2% und damit 1,2 Prozentpunkte niedriger als 2002. Damit setzte sich der seit 11 Jahren kontinuierliche Rückgang weiter fort.
Da die Anzahl der in der Bundesrepublik lebenden Jugendlichen und Heranwachsenden zugenommen hat, wird diese Entwicklung noch deutlicher, wenn sie auf je 100.000 Einwohner der entsprechenden Altersgruppe bezogen wird (sog. Tatverdächtigenbelastungsziffer): Hier ist ein Rückgang um 1,4% von 8.287,9 auf 8.174,7 je 100.000 festzustellen. Das bedeutet: von 100 Jugendlichen wurden im Jahr 2003 etwa 8 polizeilich als Tatverdächtige registriert.
Besonders ausgeprägt ist der Rückgang bei den Diebstahlsdelikten: hier sind die registrierten Tatverdächtigen um 4,3% von 208.469 auf 199.584 zurückgegangen. Insbesondere beim Ladendiebstahl sind die Registrierungen um 9,2% geringer als im Vorjahr (von 111.638 auf 101.340). Die „Tatverdächtigenbelastung“ der jeweiligen Altersgruppen ist bei den Diebstahlsdelikten um 5,2% und beim Ladendiebstahl um 10,1% zurückgegangen.
Leichte Zunahmen sind bei den registrierten Gewaltdelikten zu verzeichnen: sie sind um 2,8% von 69.158 auf 71.057 gestiegen. Die Tatverdächtigenbelastungsziffer ist um 1,8% von 1.054,3 auf 1,073 angestiegen. Hinweise aus Dunkelfelduntersuchungen lassen jedoch vermuten, dass die Zunahme weniger auf eine tatsächliche Brutalisierung der Gesellschaft zurückzuführen ist, als vielmehr auf eine höhere Sensibilität der Gesellschaft gegenüber Gewaltanwendungen, so dass es vor allem zu einer Verschiebung zwischen Hellfeld und Dunkelfeld gekommen ist.
Von 100 Jugendlichen und Heranwachsenden wurden demnach im Jahre 2003 ca.1,5 wegen Ladendiebstahls, weitere 1,5 wegen anderer Diebstahlsdelikte, wegen Gewalttaten einer und vier wegen weiterer Straftaten registriert.

Insgesamt ist bei der Interpretation der PKS Zurückhaltung geboten:
- Die PKS kann nichts über die „tatsächliche“ Kriminalitätsentwicklung aussagen: Sie bildet primär das Anzeigeverhalten der Bevölkerung und die Arbeit der Polizei ab. Sie kann nur Aussagen über das sog. Hellfeld machen.
- Beides – Anzeigeverhalten und polizeiliche Arbeitsweise – hat daher auch nachhaltigen Einfluss auf die Ergebnisse der PKS: Die Interpretation eines Geschehens als kriminell ist von herausragender Bedeutung: eine Rangelei unter Schülern oder eine Schützenfestschlägerei mag früher als sozialüblich angesehen worden sein, heute werden sie als Körperverletzung angesehen und Anzeige erstattet.
- Die PKS gibt ausschließlich den polizeilichen Ermittlungsstand wieder. Sie besagt nichts darüber, wie die registrierten Fälle in der weiteren justiziellen Bearbeitung enden, also ob von der Staatsanwaltschaft eingestellt oder Anklage erhoben oder vom Gericht eingestellt, freigesprochen oder verurteilt wird. Die großen Steigerungsraten der letzen 15 Jahre spiegeln sich beispielsweise in der Verurteilten-Statistik nicht wieder.

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Bernd-Rüdeger Sonnen, Vorsitzender, Tel.: 0177 5047443, sonnen@dvjj.de
Jochen Goerdeler, Geschäftsführer, Tel.: 0511 34836-41, goerdeler@dvjj.de