Freiburg i.Brg. – Der Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ), Professor Bernd-Rüdeger Sonnen, fordert von Bund und Ländern, mit der Resozialisierung im Jugendstrafrecht ernst zu machen. Sonnen: „Wir brauchen keine Worthülsen, sondern gelebte Resozialisierung in der Praxis und verbindliche Vorgaben in den Gesetzen!“
Mit Blick auf die Gesetze zum Jugendstrafvollzug, die nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts derzeit von den Bundesländern erarbeitet werden müssen, fordert Sonnen: „Die Praxis, Gefangene am Wochenende einfach wegzuschließen und teilweise über 20 Stunden am Stück auf ihren Zellen schmoren zu lassen, muss sofort aufhören! In die Jugendstrafvollzugsgesetze müssen verbindliche Aussagen, dass auch am Wochenende eine ausreichende Betreuung stattfindet und jeder Gefangene einzeln unterzubringen ist. Das hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber ausdrücklich vorgegeben.“
Der Foltermord in der Jugendstrafanstalt Siegburg habe gezeigt, wie gefährlich Mehrfachbelegungen und mangelnde Aufsicht in Gefängnissen sei.
Sonnen warnte außerdem davor, die zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft mit Verschärfungen im Jugendstrafrecht zu beantworten. Die meisten sog. Intensivtäter wiesen zahlreiche soziale und familiäre Belastungsfaktoren auf. „Das zeigt uns doch, dass vorher mehr passieren muss,“ so der DVJJ-Vorsitzende. „Wir müssen benachteiligte Familien unterstützen und die Integrationsangebote verbessern.“
Jugendstrafrecht müsse primär auf soziale Integration ausgerichtet sein. „Wir brauchen keinen Warnschussarrest, sondern eine bessere Verzahnung zwischen Justiz und Jugendhilfe und überall ausreichendes und gut qualifizierte Personal. Darauf kommt es an, wenn man neue Opfer durch Rückfallkriminalität vermeiden will.“ sagt Sonnen.
Letzte Änderung dieser Seite: 17.09.2007
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