Editorial (S.289)
FACHBEITRÄGE
S C H W E R P U N K T Drogen- und Alkoholkonsum
Baier, D. & Rabold S.: Drogenkonsum im Jugendalter – Verbreitung, Bedingungsfaktoren und Zusammenhang mit Gewaltverhalten. (S.292)
Auf Basis einer deutschlandweit repräsentativen Befragung von 44.610 Jugendlichen der neunten Jahrgangsstufe werden Befunde zu Verbreitung und Bedingungsfaktoren des Drogenkonsums vorgestellt. Davor wird der Forschungsstand zu den Fragen, ob der Drogenkonsum von Jugendlichen in Deutschland zunimmt und wo Jugendliche aus Deutschland im internationalen Vergleich hinsichtlich des Ausmaßes des Drogenkonsums stehen, vorgestellt
Soellner, R. & Rummel, C.: Cannabiskonsum – zwischen Verharmlosung und Dramatisierung. Zum Umgang mit empirischen Befunden und Angebote der Hilfepraxis zur Früherkennung und Frühintervention. (S. 306)
Der Beitrag setzt sich kritisch mit wissenschaftlichen Befunden, vornehmlich zu neurokognitiven Folgewirkungen von Cannabis und deren Interpretation basierend auf einem Gutachten zu Wirkungen des Cannabiskonsums von Thomasius und Kollegen1 auseinander. Zudem werden vorhandene Hilfemöglichkeiten zur Früherkennung und Frühintervention bei jugendlichen Cannabiskonsumenten/-innen in der ambulanten Suchthilfe beleuchtet. Ausgehend von wissenschaftlichen Richtlinien der Drogenforschung sind die Auswirkungen auf kognitive Leistungen und psychopathologischen Folgen des Cannabiskonsums sowie Persönlichkeitsveränderungen differenziert zu betrachten. Auch therapeutische Angebote der ambulanten Suchtkrankenhilfe müssen der Komplexität des Phänomens Cannabiskonsum Rechnung tragen und die zentralen Besonderheiten berücksichtigen. Zahlreiche Projekte, Beratungs- und Behandlungsangebote (FreD, Realize it, MOVE, INCANT, CANDIS und AVerCa) wurden in den letzten Jahren von der Suchthilfe entwickelt, um vor allem auf jugendliche Cannabiskonsumenten/-innen angemessen
 | Möller, C.: Drogenmissbrauch im Kindes- Jugendalter: Ursachen, Auswirkungen, Behandlung. (S. 313)
„Was machst du da?“, fragte er den Säufer, den er stumm vor einer Reihe leerer und einer Reihe voller Flaschen sitzend antraf. „Ich trinke“, antwortete der Säufer mit trauriger Miene. „Warum trinkst Du?“, fragte ihn der kleine Prinz. „Um zu vergessen“, antwortete der Säufer. „Um was zu vergessen?“, erkundigte sich der kleine Prinz, der ihn schon bedauerte. „Um zu vergessen, dass ich mich schäme“, gestand der Säufer und senkte den Kopf. „Weshalb schämst du dich?“ fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen. „Weil ich saufe!“, endete der Säufer und hüllte sich endgültig in Schweigen. (Aus: „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry).
Schliekau, T.: Absolut voll? Jugend und Alkohol. (S. 318)
Exzessives Alkoholtrinken von Jugendlichen in der Öffentlichkeit ist fast schon zu einem Dauerthema in den Medien geworden – und das nicht ohne Grund, denn in den letzten Jahren ist eine besorgniserregende Zunahme der Anzahl Jugendlicher zu beobachten, die wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Gehören Jugendliche im Rauschzustand schon zur Normalität in unseren Städten?
Heckmann, W.: Alkoholkonsum und Jugendgewalt. (S. 322)
Aktuelle Beispiele für Rohheitsdelikte, die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen begangen wurden sowie neue Phänomene im jugendtypischen Alkoholkonsum-Verhalten (Flatrate-Partys, Koma-Saufen) werden in diesem Beitrag im Kontext der Entwicklungspsychologie des Jugendalters diskutiert. Alkohol spielt bei weit mehr Straftaten (auch Erwachsener) eine Rolle, als die Kriminal-Statistiken ausweisen; die Taten unterliegen dabei einer spezifischen Dynamik von pharmakologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren. Die Dimension Gewalt in die Betrachtung von Alkohol-Folge-Schäden wieder aufzunehmen, wird als positiv bewertet, gleichzeitig aber auch vor Überschätzung des Problems bei Jugendlichen und vor Überreaktionen gewarnt. Prävention in diesem Bereich kann sich nicht in erster Linie auf Ordnungsmaßnahmen stützen, sondern muss auf die Bedingungen des Aufwachsens in einer die Modulation von Stimmungen durch Suchtstoffe mehr und mehr akzeptierenden Gesellschaft eingehen.
Taut, M.: Intensivierung von Kontrollmaßnahmen zur Verhinderung von Straftaten durch alkoholbeeinflusste minderjährige Personen. Eine Maßnahmenkonzeption zur Verhinderung des Alkoholmissbrauchs durch Minderjährige. (S. 328)
Der folgende Beitrag stellt die Maßnahmenkonzeption zur Intensivierung der Kontrollmaßnahmen zur Verhinderung von Straftaten durch alkoholbeeinflusste minderjährige Personen vor, die die Niedersächsische Landesregierung in Abstimmung mit den Niedersächsischen Polizeibehörden entwickelt hat. Durch eine frühzeitige und abgestimmte Intervention der entsprechend befassten Behörden, durch eine erhöhte Präsenz an bekannten Brennpunkten und durch verstärkte Jugendschutzkontrollen sollen Alkoholmissbrauch von Minderjährigen und damit zusammenhängende Straftaten verhindert werden.
Woike, F.: Jugendliche Alkohol-Testkäufe. (S. 330)
Der folgende Beitrag befasst sich mit Alkohol-Testkäufen als Maßnahme zur Alkoholprävention. Dargestellt wird die praktische Umsetzung am Beispiel der Sicherheitspartnerschaft des Jugendschutzes und der Polizeidirektion Hannover. Dabei wird auf den rechtlichen und konzeptionellen Rahmen eingegangen und die Ergebnisse der durchgeführten Testkäufe berichtet.
JUGENDSTRAFRECHT
Brettel, H.: Zur Verfassungsmäßigkeit der Rechtsgrundlagen aus Anlass des ersten Anordnungsfalls. (S. 331)
Im Juni 2009 hat ein deutsches Gericht erstmals Sicherungsverwahrung aus Anlass einer Straftat verhängt, die nach Jugendstrafrecht abgeurteilt worden war. Damit ist der Vollzug dieser – in § 7 Abs. 2 JGG vorgesehenen – Rechtsfolge Realität geworden. Das Gesetz enthält dazu allerdings nur wenige Vorschriften, die überdies keine Rücksicht auf Alter und Lebenssituation der Verwahrten nehmen. Diese Rechtslage erinnert an Regelungsdefi zite, denen im Bereich des Jugendstrafvollzugs gerade erst abgeholfen wurde. Auch für den Vollzug der Sicherungsverwahrung im Sinne des § 7 Abs. 2 JGG stellt sich die Frage, ob die vorhandenen Regelungen den verfassungsrechtlichen Anforderungen an eine hinreichende gesetzliche Grundlage genügen.
Hünecke, A.: Der entfesselte Gesetzgeber: Von Kronzeugen, Opfern, Absprachen, U-Haft und Europa. (S. 335)
Mehr als 600 Gesetze hatte die Große Koalition in den Jahren 2005 bis 2009 auf den Weg gebracht. Und das Jahr 2009 deutet eine Zeitenwende an: Nicht nur gewichtige Änderungen im Strafprozessrecht zeigen diesen Paradigmenwechsel auf. Mit dem Vertrag von Lissabon wird aus Brüssel das Strafrecht stärker beeinfl usst werden als zuvor. Und mit dem Regierungswechsel hat auch die neue schwarz-gelbe Koalition ihren Rahmen gesteckt: Das Jugendstrafrecht soll verschärft, vermeintliche Lücken geschlossen werden. Die Änderungen, die Auswirkungen und die Perspektiven sollen im Folgenden erörtert werden.
Ostendorf, H. Neuregelung des Untersuchungshaftvollzugsrechts. (S. 341)
Der folgende Beitrag gibt eine Übersicht über die Entwicklung der Anordnung und Dauer der Untersuchungshaft sowie die Haftgründe und diskutiert die geplante Neuregelung des U-Haft-Vollzugs.
Jugendstrafrecht im 21. Jahrhundert
Kommentare zur Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage zum Jugendstrafrecht.
Sonnen, B.-R.: Allgemeines und Grundlagen des Jugendstrafrechts. (S. 346)
Ostendorf, H.: Altersgrenzen des JGG. (S. 348)
Höynck, T.: Sanktionen des JGG. (S. 350)
Trenczek, T.: Verhältnis von Jugendhilfe zu Jugendstrafrecht. (S. 352)
Trenczek, T.: Arbeitsweisung. (S. 358)
Emig, O.: Betreuungsweisung. (S. 359)
Emig, O.: Sozialer Trainingskurs. (S. 360)
Trenczek, T.: Täter-Opfer-Ausgleich. (S. 361)
Franzen, R.: Geldauflage, Arbeitsauflage und (neue) Alternativen. (S. 365)
Walter, J.: Jugendstrafe – Jugendstrafvollzug. (S. 369)
Reckling, P.: Jugendstrafe mit Aussetzung zur Bewährung. (S. 371)
Pollähne, H.: Maßregelvollzug, insbesondere Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. (S. 372)
Plewig, H.-J.: Diversion. (S. 376)
Kinzig, J.: Sicherungsverwahrung. (S. 377)
Breymann, K.: Fachliche Qualifikation von Jugendrichter/innen und Jugendstaatsanwälte/innen. (S. 379)
Pieplow, L.: Verteidigung. (S. 381)
ENTSCHEIDUNGEN ZUM JUGENDRECHT
LG Köln: Verbindung von Strafsachen gegen Jugendliche und Erwachsene. (S. 382)
LG Regensburg: Anordnung der nachträglichen Sicherungsverwahrung. (S. 383).
TAGUNGSBERICHTE
Fischer, J.: Diagnose und Prognose im Jugendstrafverfahren. Tagungsbericht zum 6. Thüringer Jugendgerichtstag am 04.11.2009 in Jena. (S. 388)
Guder, P.: „United in Diversity“ – In Vielfalt vereint
Vorschau auf den XVIII. Weltkongress der Vereinigung der Jugend- und Familienrichter (IAYFJM) in Tunis vom 21. bis 24.04.2010. (S. 390)
Yurkow, V.: Jugendstrafrecht in Europa und Asien – Konzepte und erfolgreiche Praxismodelle. Internationale Tagung vom 22. bis 25. September 2009 in Krasnojarsk, Russland. (S. 392)
Rezensionen
Liebig, P.: Loïc Wacquant
Bestrafen der Armen - Zur neoliberalen Regierung der sozialen Unsicherheit. (S. 394)
Dünkel, F.: Christian Bochmann
Entwicklung eines europäischen Jugendstrafrechts. (S. 395)
Nachrichten und Mitteilungen (S. 398)
Gesetzgebungsübersicht (S. 399)
Termine (S. 401)
DVJJ – INTERN (S. 402)
Beichte aus den Landes- und Regionalgruppen (S. 403)
Kontaktadressen (S. 405)
Letzte Änderung dieser Seite: 19.12.2009
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