Kommentar zum Diskussionspapier von Stefan Fürst

2. Dezember 2016
Stefan
Fürst
Arbeitsfeld: 
Jugendhilfe im Strafverfahren
Kommentar: 
Aufgrund des in der Gesellschaft immer noch stark verankerten Strafbedürfnisses auf Verfehlungen Jugendlicher mit „spürbaren“ und „harten“ Konsequenzen u.a. mit Verrichtung einer Vielzahl von Arbeitsstunden zu reagieren, machen fraglos wiederkehrende Diskussion rund um einer „richtigen“ Strafzumessung erforderlich. Nahezu nunmehr altehrwürdig dahergekommene Fragen nach wieviel Strafe darf Erziehung heutzutage noch beinhalten bzw. ist eine Erziehung ohne jeglichen Strafcharakter überhaupt noch wirkungsvoll, zeigt in der Summe den Stellen Orts doch noch unsicheren Umgang mit den in der Entwicklung befindlichen Jugendlichen und Heranwachsenden Straftätern im Kontext von Wertewandel und Werteerziehung. Medien und eine reißerische Berichterstattung über hochbrisante Straftaten verstärken und verzerren das Bild in unseren Köpfen und lassen- wenn nicht korrigiert- die Jugend partout als potentielle Übeltäter dastehen. Es ist unstrittig, dass auch mit der Verhängung von reinen Arbeitsauflagen Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden. Will man jedoch stärker auf eine Nachhaltigkeit abzielen, so bedarf es auf der jeweiligen Person bzw. der aktuellen Problemlage zugeschnittene Maßnahmen. Die Notwendigkeit einer angemessenen Öffentlichkeitsarbeit, des Netzwerkaufbaus und deren Pflege der am Jugendstrafverfahren beteiligten Akteure setzen die Grundpfeiler eines besseren Verstehens und Umgangs der beteiligten Professionen einerseits, mit jugendlichen Tätergruppen anderseits. Nur dadurch kann es gelingen, dass pädagogische Überlegungen und Inhalte durch deren Einsatz als „reine“ ambulante Maßnahmen der Jugendhilfe als Reaktion auf Straftaten ohne Murren, Widerwillen und Anzweifelungen allgemeingültig akzeptiert werden. Und nur so kann es gelingen, dass Jugendhilfe und Justiz gemeinsam eine positive und insbesondere der Zeit angepassten Entwicklung des im JGG verankerten Erziehungsgedankens vorantreiben. Es erscheint demnach aus Sicht der Jugendhilfe erforderlich, weitere wirkungsorientierte Maßnahmen zu entwickeln und an die Ressourcen des jeweiligen Sozialraums anzupassen. Deren Sinnhaftigkeit ist öffentlich wirksam darzustellen, um neue Blickwinkel zu generieren.

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend