Kommentar zum Diskussionspapier von Dieter Horacek

6. Dezember 2016
Dieter
Horacek
Arbeitsfeld: 
JuHiS Stadt Willich
Kommentar: 
Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob allen Beteiligten am Jugendstrafverfahren die Unterschiede von Arbeitsweisungen und Arbeitsauflagen in deren unterschiedlicher inhaltlicher Ausprägung bewusst sind. Ausdrücklich einbeziehen möchte ich hier die Jugendhilfe im Strafverfahren. Eine Arbeitsweisung anzuregen und anschließend dem Verurteilten eine Liste von Einrichtungen zum Abtelefonieren an die Hand zu geben, widerspricht sich m. E. bereits im Ansatz. Dass auch anderen Verfahrensbeteiligten der Unterschied entweder nicht wichtig oder schlicht egal ist, sei am Rande erwähnt. Ich bin ein glühender Verfechter von Arbeitsweisungen, insbesondere dann, wenn der Druck, Sozialstündler zeitnah unterzubringen, nicht zu groß ist. Egal ob es sozial vereinsamte Jugendliche sind, die in einem Jugendzentrum sowohl den Wert von Arbeit und Strukturen, als auch ein neues soziales Umfeld kennenlernen – oder Migranten, die aus der Isolation heraus in einem Altenheim Kompetenzen beweisen und ihren Selbstwert erkennen können. Voraussetzung ist aber immer eine am Einzelfall orientierte Beschäftigung mit Einrichtung und Delinquenten. So müssen die Einrichtungen bei Schwierigkeiten adäquat unterstützt werden und der Jugendliche –im Guten wie im Schlechten- den Kontakt der JuHiS spüren. Dabei ist auch eine klare Formulierung von Ausschlusskriterien zum beiderseitigen Schutz notwendig. Bei einer wiederholten Diebstahlstat ist aus meiner Sicht eine Ableistung von Stunden im Altenheim zu risikoreich. Doch selbst bei Arbeitsauflagen in einer Gartenbaukolonne oder im Hausmeisterdienst, können durch entsprechende Vorabsprachen und schwellenebnende Gespräche, die Chancen auf eine reibungslose Ableistung von Stunden erheblich erhöht werden. Somit sollte Aussagen wie „mir fällt nichts anderes als Sozialstunden ein“ oder „ der kriegt jetzt mal ne richtige Arbeit und wenn der das nicht schafft, dann geht er halt in Arrest“ für pädagogische Mitarbeiter ausgeschlossen sein. Zum Schluss noch zwei kurze Anmerkungen zu Diversionsverfahren. 1. Aus meiner Sicht ist eine Vermittlung von Arbeitsstunden ohne ein vorheriges Gespräch nicht zu machen. 2. Häufig sind die Gespräche zielführender als die von der StA vorgesehenen Stunden. Dann ist eine diesbezügliche Auseinandersetzung auch Pflicht.

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend