Diskussionspapier der DVJJ zum Thema Arbeitsleistungen

1. Dezember 2016

Die DVJJ hat ein Diskussionspapier zum Thema Arbeitsleistungen verfasst, das möglicherweise Ausgangspunkt für eine fachöffentliche Diskussion zu Arbeitsleistungen als jugendstrafrechtliche Sanktion sein kann.

Dazu haben wir ein Gästebuch eingerichtet, um einen direkten fachlichen Austausch zu ermöglichen – wir sind sehr gespannt auf Ihre Kommentare und Meinungen.

Das Diskussionspapier können Sie hier einsehen: Diskussionspapier

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Letzte Änderung dieser Seite: 
01.12.2016

Kommentare

Kommentar zum Diskussionspapier von Dieter Horacek

6. Dezember 2016
Dieter
Horacek
Arbeitsfeld: 
JuHiS Stadt Willich
Kommentar: 
Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob allen Beteiligten am Jugendstrafverfahren die Unterschiede von Arbeitsweisungen und Arbeitsauflagen in deren unterschiedlicher inhaltlicher Ausprägung bewusst sind. Ausdrücklich einbeziehen möchte ich hier die Jugendhilfe im Strafverfahren. Eine Arbeitsweisung anzuregen und anschließend dem Verurteilten eine Liste von Einrichtungen zum Abtelefonieren an die Hand zu geben, widerspricht sich m. E. bereits im Ansatz. Dass auch anderen Verfahrensbeteiligten der Unterschied entweder nicht wichtig oder schlicht egal ist, sei am Rande erwähnt. Ich bin ein glühender Verfechter von Arbeitsweisungen, insbesondere dann, wenn der Druck, Sozialstündler zeitnah unterzubringen, nicht zu groß ist. Egal ob es sozial vereinsamte Jugendliche sind, die in einem Jugendzentrum sowohl den Wert von Arbeit und Strukturen, als auch ein neues soziales Umfeld kennenlernen – oder Migranten, die aus der Isolation heraus in einem Altenheim Kompetenzen beweisen und ihren Selbstwert erkennen können. Voraussetzung ist aber immer eine am Einzelfall orientierte Beschäftigung mit Einrichtung und Delinquenten. So müssen die Einrichtungen bei Schwierigkeiten adäquat unterstützt werden und der Jugendliche –im Guten wie im Schlechten- den Kontakt der JuHiS spüren. Dabei ist auch eine klare Formulierung von Ausschlusskriterien zum beiderseitigen Schutz notwendig. Bei einer wiederholten Diebstahlstat ist aus meiner Sicht eine Ableistung von Stunden im Altenheim zu risikoreich. Doch selbst bei Arbeitsauflagen in einer Gartenbaukolonne oder im Hausmeisterdienst, können durch entsprechende Vorabsprachen und schwellenebnende Gespräche, die Chancen auf eine reibungslose Ableistung von Stunden erheblich erhöht werden. Somit sollte Aussagen wie „mir fällt nichts anderes als Sozialstunden ein“ oder „ der kriegt jetzt mal ne richtige Arbeit und wenn der das nicht schafft, dann geht er halt in Arrest“ für pädagogische Mitarbeiter ausgeschlossen sein. Zum Schluss noch zwei kurze Anmerkungen zu Diversionsverfahren. 1. Aus meiner Sicht ist eine Vermittlung von Arbeitsstunden ohne ein vorheriges Gespräch nicht zu machen. 2. Häufig sind die Gespräche zielführender als die von der StA vorgesehenen Stunden. Dann ist eine diesbezügliche Auseinandersetzung auch Pflicht.

Kommentar zum Diskussionspapier von Stefan Fürst

2. Dezember 2016
Stefan
Fürst
Arbeitsfeld: 
Jugendhilfe im Strafverfahren
Kommentar: 
Aufgrund des in der Gesellschaft immer noch stark verankerten Strafbedürfnisses auf Verfehlungen Jugendlicher mit „spürbaren“ und „harten“ Konsequenzen u.a. mit Verrichtung einer Vielzahl von Arbeitsstunden zu reagieren, machen fraglos wiederkehrende Diskussion rund um einer „richtigen“ Strafzumessung erforderlich. Nahezu nunmehr altehrwürdig dahergekommene Fragen nach wieviel Strafe darf Erziehung heutzutage noch beinhalten bzw. ist eine Erziehung ohne jeglichen Strafcharakter überhaupt noch wirkungsvoll, zeigt in der Summe den Stellen Orts doch noch unsicheren Umgang mit den in der Entwicklung befindlichen Jugendlichen und Heranwachsenden Straftätern im Kontext von Wertewandel und Werteerziehung. Medien und eine reißerische Berichterstattung über hochbrisante Straftaten verstärken und verzerren das Bild in unseren Köpfen und lassen- wenn nicht korrigiert- die Jugend partout als potentielle Übeltäter dastehen. Es ist unstrittig, dass auch mit der Verhängung von reinen Arbeitsauflagen Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden. Will man jedoch stärker auf eine Nachhaltigkeit abzielen, so bedarf es auf der jeweiligen Person bzw. der aktuellen Problemlage zugeschnittene Maßnahmen. Die Notwendigkeit einer angemessenen Öffentlichkeitsarbeit, des Netzwerkaufbaus und deren Pflege der am Jugendstrafverfahren beteiligten Akteure setzen die Grundpfeiler eines besseren Verstehens und Umgangs der beteiligten Professionen einerseits, mit jugendlichen Tätergruppen anderseits. Nur dadurch kann es gelingen, dass pädagogische Überlegungen und Inhalte durch deren Einsatz als „reine“ ambulante Maßnahmen der Jugendhilfe als Reaktion auf Straftaten ohne Murren, Widerwillen und Anzweifelungen allgemeingültig akzeptiert werden. Und nur so kann es gelingen, dass Jugendhilfe und Justiz gemeinsam eine positive und insbesondere der Zeit angepassten Entwicklung des im JGG verankerten Erziehungsgedankens vorantreiben. Es erscheint demnach aus Sicht der Jugendhilfe erforderlich, weitere wirkungsorientierte Maßnahmen zu entwickeln und an die Ressourcen des jeweiligen Sozialraums anzupassen. Deren Sinnhaftigkeit ist öffentlich wirksam darzustellen, um neue Blickwinkel zu generieren.

Kommentar zum Diskussionspapier von Steffen Siegel

1. Dezember 2016
Steffen
Siegel
Arbeitsfeld: 
Jugendhilfe in Strafverfahren
Kommentar: 
Bayern fordert beständig eine "Obergrenze". Bei Arbeitsleistungen gem. § 10 JGG würde eine solche (80 Stunden) tatsächlich gut tun. Die Arbeitsleistung ist in der Praxis die "Geldstrafe" für Jugendliche, zur "Erledigung" massenhafter, jugendlicher Bagatellkriminalität. Sie wird sich nur dann zurückdrängen lassen, wenn die Justiz auf einen höheren Anteil sog. folgenloser Verfahrenseinstellungen setzen würde, dass heißt, wenn es nicht immer "auch ein bisschen weh tun" müsste. Beides, Obergrenze und stärkere Anwendung der Einstellung ohne Auflagen (nicht "folgenlos", denn die Straftat hatte meistens Folgen, die der Staatsanwältin oder dem Staatsanwalt oft nicht bekannt werden) wird man nur durch gesetzliche Regelungen erreichen. Alles andere bleibt akademische Diskussion (siehe zahlreiche DVJJ-Reformkommissionen und deren Papiere).

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend