Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe - ZJJ 4/2013

SCHWERPUNKT: 29. Deutscher Jugendgerichtstag
Jahrgang 24, Dezember 2013

Im Folgenden finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 4/2013. Einzelne Artikel können Sie (gegen Erstattung der Kopier- und Portokosten) über die Geschäftsstelle erhalten.

Inhaltsverzeichnis zum Download:
Editorial (S. 349)
Editorial zum Download:

FACHBEITRÄGE

SCHWERPUNKT 29. Deutscher Jugendgerichtstag

Allmendinger, J.: Gemeinsam Fahrt aufnehmen. Bildungs- und Sozialpolitik im Einklang (S. 352)

Bauer, J.: Aggression und Friedenskompetenz aus Sicht der Hirnforschung (S. 357)

Kunz, K.-L.: Zum gesellschaftlichen und politischen Umgang mit Jugendkriminalität (S. 359)

Paixprintemps, V. alias Weiß, M.: Das Jugendgericht – ein Vier-Gänge-Menü (S. 368)

 

ISLAMISCHES RECHT

Malik, J. & Rehman, M.: Islamisches Recht und Schlichtung (Teil 2) (S. 371)

So genannte islamische Streitschlichter und Mediatoren lösen familiäre und Eheprobleme unter Muslimen in Deutschland. Kritiker befürchten darin das Aufkeimen eines patriarchalischen Rechtssystems parallel zu hiesigem, rechtsstaatlichem. Der Artikel argumentiert, dass im islamischen Recht die Schlichtung und Meditation kein göttlicher Befehl ist, den Muslime befolgen müssen. Vielmehr gründet sie in den tribalen Praktiken des vor-islamischen Arabiens und konnte sich bis in die Zeit der frühen islamischen Dynastien halten. Als aber Mediation und Schlichtungspraxis von den Laien missbraucht wurde, wurde sie nach dem 10. Jahrhundert von islamischen Juristen verboten. Der Beitrag argumentiert ferner, dass die Wiedererfindung der Meditations- und Schlichtungstradition in der Diaspora vornehmlich eher wirtschaftliche, kulturelle und soziale Gründe hat als religiöse.
Keywords: Stammesrecht, Mediation, Schlichtung, Scharia, Diaspora, öffentliches Interesse als Grund für die Unterbindung von Mediation

 

KRIMINOLOGIE

Wittmann, W.: Sexuelle Viktimisierung von Jugendlichen in amerikanischen Haftanstalten (Teil 2) (S. 377)

In einem ersten Aufsatz wurden zentrale Befunde v.a. des ersten „National Survey of Youth in Custody“ (NSYC-1) zur sexuellen Viktimisierung Jugendlicher im Strafvollzug der USA und Ergebnisse der „National Prison Rape Elimination Commission (NPREC)“ vorgestellt. Der zweite Teil enthält a) Ergänzungen und neue Erkenntnisse aus weiteren Surveys, die als Folge des Prison Rape Elimination Act (PREA) von 2003 durchgeführt wurden, und Erklärungsversuche zu ausgewählten Befunden; b) die Darstellung von Richtlinien für Vollzugseinrichtungen zur Eindämmung des sexuellen Missbrauchs in Haftanstalten; c) erste Einschätzungen zu den Chancen der Richtlinien mit Blick auf ihre Wirksamkeit und d) auf mögliche Auswirkungen, die über den eigentlichen Wirkungsbereich des PREA hinausgehen.
Keywords: Sexuelle Gewalt, Strafvollzug, USA, Jugendliche, Geschlecht

 

JUGENDSTRAFRECHT

Villmow; B. & Savinsky, A. L.: 14-/15-jährige Beschuldigte zwischen Jugenduntersuchungshaft und Untersuchungshaftvermeidung bzw. -verkürzung
Wie wirksam sind die §§ 71-72a JGG? (S. 388)

Die §§ 71-72a JGG und die damit verbundenen RLJGG verdeutlichen, dass der Gesetzgeber insbesondere bei den 14-/15-jährigen Jugendlichen die Untersuchungshaft weitgehend vermeiden wollte. Die Hamburger Daten der letzten Jahre zeigen aber bei dieser Altersgruppe, dass, wenn stationäre Unterbringung als notwendig erachtet wurde, nur sehr selten das Heim der Jugendhilfe bevorzugt wurde, vielmehr die U-Haft im Vordergrund stand. Im Rahmen einer Aktenanalyse sollten die Hintergründe dieser überraschenden Verteilung, die den Intentionen des Gesetzgebers widerspricht, genauer erfasst werden. Die Ergebnisse zeigen, dass das Handeln aller an den Verfahren beteiligten Berufsgruppen kritische Fragen aufwirft.
Keywords: U-Haftentscheidungen, U-Haftvermeidung, Jugendrichter, Verteidiger im Haftverfahren, Jugendgerichtshilfe

Kleimann, T.: Das Reichsjugendgerichtsgesetz vom 6.12.1943
Eine Fortführung des JGG 1923 oder Teil des NS-Strafrechts? (S. 397)

Auf welchen Grundlagen basiert eigentlich das heutige Jugendstrafrecht? Hierzu wird der Frage nachgegangen, welche wesentlichen Änderungen im Reichsjugendgerichtsgesetz von 1943 im Vergleich zum ersten Jugendgerichtsgesetz von 1923 vorgenommen wurden. Es wird untersucht, ob bei diesen Änderungen – entgegen anderslautender Einschätzungen in der Nachkriegszeit – nationalsozialistisches Gedankengut Eingang gefunden hat. Der Beitrag stellt vor allem die ideologischen Hintergründe dar, die bei dieser Reform Pate standen. Der Autor kommt dabei zu dem Schluss, dass eine Auseinandersetzung mit der Entstehungsgeschichte gerade vor dem Hintergrund aktueller Reformdiskussionen angezeigt ist.
Keywords: Jugendgerichtsgesetz, Nationalsozialismus, Ideologie, Reform

 

FORUM PRAXIS

 

Linnartz, A. & Sütterlin-Müsse, M.: Jung, weiblich, schwanger, inhaftiert – und nun? Über die (Un-)Möglichkeiten des Jugendstrafvollzugs von Schwangeren (S. 407)

Die Zahl schwangerer Inhaftierter hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Beispielhaft wird dies für den Jugendstrafvollzug weiblicher Gefangener in der JVA Köln dargestellt. Die JVA Köln wird in erheblichem Maße organisatorisch und personell belastet. Erzieherische Maßnahmen können bei schwangeren inhaftierten nur eingeschränkt umgesetzt werden. Ein Mutter-Kind-Vollzug ist lediglich in Ausnahmefällen möglich. Durch die im Regelfall erfolgende Wegnahme des Kindes nach der Geburt wird die Entstehung einer Mutter-Kind-Bindung erschwert. Keinesfalls darf die bestehende Schwangerschaft bzw. die Erziehungsunfähigkeit der Verurteilten Grund für die unbedingte Jugendstrafe sein. Gerade bei kurzen Strafen ist an erzieherisch sinnvolle Maßnahmen im Sinne von § 17 JGG außerhalb des Vollzugs zu denken
Keywords: Jugendstrafvollzug, schwangere Inhaftierte, Vollzugspraxis, (Un-)Vereinbarkeit mit dem Erziehungsgedanken

 

ANALYSEN UND KOMMENTARE

Höynck, T.: „Schluss mit der Sozialromantik! Ein Jugendrichter zieht Bilanz“
Anmerkungen zum Buch von Andreas Müller (S. 409)

Heinz,W.: „Schluss mit der Sozialromantik! Ein Jugendrichter zieht Bilanz“
Anmerkungen zum Buch von Andreas Müller (S. 411)

 

ENTSCHEIDUNGEN zum JUGENDRECHT

LG Saarbrücken – 3 Qs 20/13 – Beschluss vom 30.04.2013
§ 74 JGG Absehen vom Auferlegen von Kosten und Auslagen (S. 418)

Möller, O.: Anmerkung zum Beschluss des LG Saarbrücken vom 30.04.2013 – 3 Qs 20/13 (S. 418)

Anwendung von Jugendstrafrecht auf Heranwachsende, Jugendverfehlung
AG Rudolstadt – 110 Js 14767/12 1 Ls jug – Urteil vom 02.07.2013 (S. 420)

 

REZENSIONEN

Riekenbrauk, K.: Ahmet Nezir Coskun, Kommunikation und Kooperation durch fachliche Konfrontation zwischen Jugend(gerichts)hilfe und Justiz in Verfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz
Zugleich ein Beitrag zum Sozialdatenschutz in den behördenübergreifenden Fallkonferenzen (S. 424)

Walter, J.: Susann Reinheckel, Geringqualifikation bei männlichen Strafgefangenen im geschlossenen Jugendstrafvollzug der Bundesrepublik Deutschland
Eine empirische Untersuchung (S. 425)

Eisenberg, U.: Gabriele Klocke, Entschuldigung und Entschuldigungsannahme im Täter-Opfer-Ausgleich
Eine soziolinguistische Untersuchung zu Gesprächsstrukturen und Spracheinstellungen (S. 427

 

DOKUMENTATION

29. Deutscher Jugendgerichtstag vom 14. bis 17. September 2013. Ergebnisse der Arbeitskreise (S. 429)

 

Nachrichten und Mitteilungen (S. 440)

Gesetzgebungsübersicht (S. 441)

Termine (S. 443)

DVJJ Intern (S. 444)

Kontaktadressen (S. 445)

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09.01.2014

+++ Heft 2/18 der ZJJ ist da +++

Ausgabe 2/2018 der ZJJ ist erschienen und dem Schwerpunkt "Psychische Erkrankungen und Delinquenz" gewidmet.
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