Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe - ZJJ 1/2017

SCHWERPUNKT: Prävention

Jahrgang 28, März 2017
Im Folgenden finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 1/2017. Einzelne Artikel können Sie (gegen Erstattung der Kopier- und Portokosten) über die Geschäftsstelle erhalten.

Als besonderen Service zum "Reinschnuppern" stellen wir beginnend mit Heft 3/14 pro ZJJ-Ausgabe einen ausgesuchten Beitrag zum kostenlosen Download zur Verfügung. Diesmal handelt es sich um den Beitrag von Maria Walsh: „Der Umgang mit jungen „Intensivtätern“ - Ein Review zu kriminalpräventiven Projekten in Deutschland unter Wirksamkeitsgesichtspunkten“.
Den Beitrag können Sie hier kostenlos herunterladen.

Inhaltsverzeichnis zum Download

SCHWERPUNKT PRÄVENTION

Steffen, W.: Kriminalprävention: Es gibt keine überzeugende Alternative dazu - Eine Anmerkung zu den positiven wie riskanten Aspekten der Kriminalprävention (S. 4)
Kriminalprävention ist im letzten Vierteljahrhundert in vielfältiger Weise ausgebaut und etabliert worden, auch und gerade im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität. Kriminalprävention hat zwar durchaus riskante Aspekte, aber ihre Leistungen überwiegen ganz eindeutig: Es gibt zur Kriminalprävention keine überzeugende Alternative. Um das auch zukünftig zu sichern, plädiert der Beitrag für ein enges Verständnis von Kriminalprävention, für die Trennung von sozialpräventiven und kriminalpräventiven Strategien, Programmen und Maßnahmen sowie für die Einrichtung von Präventionszentren auf allen politischen Ebenen.
Keywords: Kriminalprävention, stigmatisierende Effekte, Leistungen, enges Begriffsverständnis, Präventionszentren

 

 

Kemme, S., Abdul-Rahmann, L.: Kinder und Jugendliche als Täter und Opfer von Gewalt – Gewaltpräventionsmodelle am Beispiel der Freien und Hansestadt Hamburg (S. 8)
Knapp zehn Jahre nach Einführung des Handlungskonzepts „Handeln gegen Jugendgewalt“ ist dieses immer noch handlungsleitend für den Umgang mit Jugendkriminalität und -gewalt in Hamburg. Daneben hat die Situation von überwiegend jungen Geflüchteten in Unterkünften zu neuem Handlungsbedarf geführt. Insbesondere Kindern und Jugendlichen gebührt besonderer Schutz vor physischer und sexueller Gewalt in der Unterbringungssituation. Bereits 2016 erarbeitete die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) gemeinsam mit dem Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge (ZKF) ein Muster-Schutzkonzept zur individuellen Ausformung für die Unterkünfte in Hamburg. Der folgende Beitrag soll einen Überblick geben über die jeweiligen Maßnahmen, deren Präventionscharakter und Wirksamkeit.
Keywords: Gewaltprävention, Jugendgewalt, Hamburg, Flüchtlinge, Evaluation, Wirksamkeit

 

 

Fiedler, N., Ahlig, N., Sommer, F. u.a.: Amokdrohungen im Schulkontext Möglichkeiten der Früherkennung von Krisen, Risikoeinschätzung und Prävention mit dem Programm NETWASS (S. 14)
School Shootings sind die extremste Form schwerer, zielgerichteter Schulgewalt. Retrospektive Fallanalysen haben gezeigt, dass jedem in Deutschland stattgefundenen School Shooting eine Drohung oder Ankündigung der Tat vorausging. Gleichzeitig drohen Schüler häufig mit Amok, ohne dass es letztlich zur Tatausführung kommt. Verunsicherung und Hilflosigkeit bei Schulmitarbeitern, Mitschülern und Eltern sind die Folge. Schulen benötigen daher wissenschaftlich fundierte Kriterien für die Ernsthaftigkeitseinschätzung solcher Ankündigungen, und nachhaltige Strukturen zur Fallbearbeitung. Dieser Beitrag beleuchtet eingangs Hindernisse bei der Bewertung von Amokdrohungen, und berichtet nachfolgend Befunde aus dem Forschungsverbund TARGET zu Amokdrohungen und Reaktionen des sozialen Umfelds aus dem Vergleich von stattgefundenen und verhinderten Taten. Abschließend wird das Programm NETWASS als evidenzbasierte Maßnahme für den Umgang mit Amokdrohungen und zur Prävention schwerer, zielgerichteter Gewalttaten an Schulen vorgestellt.
Keywords: Schwere zielgerichtete Gewalt, Schulgewalt, Amokdrohungen, Krisenprävention, NETWASS

 

 

Bannenberg, B.: Amoktaten – Risikoeinschätzung und Präventionsmöglichkeiten (S. 20)
Junge Amoktäter bis 23 Jahre bilden eine spezifische Phänomengruppe und unterscheiden sich in Persönlichkeit und Tatausführung von anderen Tätern, die Tötungsdelikte begehen. Die Taten sind sehr selten. Die spezifischen Risikofaktoren erlauben in den meisten Fällen eine Früherkennung und Intervention, weil die Täter vor der Tat Andeutungen über ihre Pläne machen. Es bedarf allerdings weiterhin der Aufmerksamkeit in Gesellschaft, Polizei, Psychiatrien und insbesondere Schulen, um die Signale wahrzunehmen und einordnen zu können.
Keywords: Amok, Amokdrohungen, Mehrfachtötung, Bedrohungsmanagement, Risikofaktoren für Amoktaten

 

 

Hanewinkel, R.: Suchtprävention (S. 25)
Eine nicht unbeträchtliche Anzahl Jugendlicher sammelt Erfahrungen mit dem Konsum von Zigaretten, Alkohol und Cannabis. Durch ein Maßnahmenbündel, das verhältnis- wie verhaltenspräventive Maßnahmen umfasst, ist es seit den 2000er Jahren gelungen, die Zahl jugendlicher Raucher deutlich zu reduzieren. Dieser „Policy-Mix” wird dargestellt und es wird vorgeschlagen, dieses Maßnahmenpaket als „Blaupause” für die Alkoholkontrollpolitik in Deutschland zu nutzen.
Keywords: Rauchen, Alkohol, Jugendliche, Verhaltens- und Verhältnisprävention

 

 

Walsh, M.: Der Umgang mit jungen „Intensivtätern“ – Ein Review zu kriminalpräventiven Projekten in Deutschland unter Wirksamkeitsgesichtspunkten (S. 28)
Der Beitrag beschäftigt sich mit kriminalpräventiven Projekten im Umgang mit jungen Mehrfachauffälligen. Dabei wird insbesondere auf Nachweise bezüglich der Wirksamkeit von Projekten im Sinne einer positiven Beeinflussung der Legalbewährung abgezielt. Nach einer allgemeinen Einführung zu jungen Mehrfachauffälligen, erfolgt eine Beschreibung der methodischen Vorgehensweise bei der Erstellung des Reviews. Anschließend wird auf die vorliegenden Wirkungsuntersuchungen eingegangen. Schließlich werden die vorliegende Datenbasis sowie die Evidenz hinsichtlich der Wirksamkeit diskutiert.
Keywords: Junge Mehrfach- und Intensivtäter, Wirksamkeitsuntersuchung, Kriminalprävention

 

 

Preuschaft, M.: Prävention von salafistischer Radikalisierung und Islamfeindlichkeit –Zur notwendigen Unterscheidung zwischen Religion und Ideologie (S. 47)
Der Salafi smus stellt sich als eine wachsende Herausforderung auch im pädagogischen Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen dar. Er bietet Möglichkeiten zur Abgrenzung, Provokation und birgt die Gefahr steter Radikalisierung bis hin zu Gewaltlegitimation und Anwendung. Der Beitrag bietet Grundlagenwissen und erste Handlungsorientierungen, die vor allem die eigene Positionierung zu Themen wie Religiosität und Demokratie im Blick behält.
Keywords: Radikalisierung, Islamismus, Salafismus, Prävention

 

 

Schilling, R.: „Tue Gutes und?“ – über das weite Feld „polizeilich-präventiver“ Maßnahmen (S. 51)
Der Polizeivollzugsdienst hat das Feld der Prävention schon seit einiger Zeit für sich entdeckt. Nur ist das immer Prävention, was hier durch die Polizei geleistet wird? Wo hat polizeiliche Prävention ihre Grenzen und wo ist andere Fachlichkeit gefordert? Der folgende Artikel widmet sich diesen Fragen und zeigt auf, dass polizeiliche Präventionsarbeit insbesondere mit jungen Menschen zu prüfen und zu diskutieren ist. Dabei konnten bei Weitem nicht alle Felder polizeilicher Prävention aufgegriffen werden.
Keywords: Prävention, Polizei, Polizeisozialarbeit

 

WEITERE FACHBEITRÄGE

 

KRIMINOLOGIE

 

Taefi, A., Kraus, B., Görgen, T.: Von der „weißen Weste“ zum multiplen Tötungsdelikt? Delinquente Entwicklungen vor schwersten Gewalttaten junger und jungerwachsener Täter (S. 56)
Tötungsdelikte, bei denen die Täter zuvor nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, stellen aus kriminologischer Sicht eher untypische Fälle dar. Dennoch findet sich in empirischen Studien neben einer Mehrheit von Tätern mit einer delinquenten Vorgeschichte regelmäßig auch ein nennenswerter Anteil von – jedenfalls im Hellfeld – bis zum Tötungsdelikt unauffällig gebliebenen Tätern. Diesen Tätern wird in der Forschung deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt als jenen mit einer Vorgeschichte dissozialen und strafrechtlich relevanten Verhaltens. Anhand eines Samples von 44 Fällen von jungen Menschen (bis 25 Jahre) begangener Mehrfachtötungen werden Erscheinungsformen und Hintergründe von Tötungsdelikten durch Täter ohne vorangegangene Einträge im Bundeszentralregister analysiert und mit Befunden zu vorbestraften Tätern in der Stichprobe kontrastiert. Die Ergebnisse zeigen, dass 38% der Täter keinen Eintrag im Bundeszentralregister hatten und diese Gruppe verhältnismäßig jung ist, einen hohen Bildungsgrad aufweist und aus intakten Familien kommt; überproportional viele Täter ohne BZR-Eintrag begehen als Gruppentäter Tötungsdelikte. Ein nennenswerter Anteil der 18 Täter ist entgegen der Dokumentation im BZR in jugendtypischen, teilweise aber auch karrierehaften Dimensionen kriminell aktiv gewesen. Gründe für das Verbleiben der Täter im Dunkelfeld werden im Beitrag erörtert.
Keywords: Tötungsdelikte, schwere Gewaltdelikte, Jugendkriminalität, Aktenanalyse, Bundeszentralregister

 

 

Rau, M.: Aus der Haft direkt in den Schuldenturm? Ergebnisse des Wiesbadener Verlaufsprojekts zur Schuldensituation von (ehemaligen) Jugendstrafgefangenen (S. 61)
Die Schuldensituation (ehemaliger) Jugendstrafgefangener ist für Deutschland kaum erforscht. Anhand der Ergebnisse des qualitativen Wiesbadener Verlaufsprojekts beschreibt der Beitrag Schuldenursachen, -entwicklung und Umgang der Teilnehmer während und nach der Haft. Kriminalpolitische und einzelfallorientierte Denkanstöße zur Bewältigung von Schulden runden den Beitrag ab.
Keywords: Schulden, (ehemalige) Jugendstrafgefangene, Rückfallprävention, Reintegration, Straffälligenhilfe

 

 

JUGENDSTRAFRECHT

Stelly, W., Bartsch, T.: Muslime im Jugendstrafvollzug – dargestellt am Beispiel der JVA Adelsheim* (S. 68)

Diese Fallstudie beschreibt die Situation von Muslimen im Jugendstrafvollzug am Beispiel der baden-württembergischen JVA Adelsheim. Sie ist Teil eines breiter angelegten Forschungsprojekts zu Muslimen im baden-württembergischen Justizvollzug, das sich mit der Religionsausübung von muslimischen Gefangenen ebenso befasst wie mit der derzeit viel diskutierten Frage einer möglichen Radikalisierung im Vollzug. Das Forschungsprojekt wird in der Einführung kurz vorgestellt (I.). Sodann werden Forschungsfeld sowie Datenbasis der Fallstudie beschrieben (II.) und die Ergebnisse präsentiert (III.). Sie führen unter anderem zu dem Schluss, dass eine ausreichende seelsorgerische Betreuung für muslimische Jugendstrafgefangene durch Angehörige ihrer Religion in der untersuchten Einrichtung derzeit noch nicht existiert und dass das Problem der Radikalisierung von Jugendstrafgefangenen im Vollzug möglicherweise überschätzt wird (IV.).
Keywords: Jugendstrafvollzug, Muslime, Religionsausübung, qualitative Interviews, Radikalisierung

 

 

 

ENTSCHEIDUNGEN ZUM JUGENDSTRAFRECHT

 

BGH – 5 StR 524/15 – Urteil vom 22.06.2016: Anwendung der zu § 57a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 StGB entwickelten Maßstäbe auf das Merkmal der besonderen Schwere der Schuld in § 105 Abs. 3 S. 2 JGG (S. 75)

 

OLG Hamm – III-3 Ws 408/16 – Beschluss vom 28.12.2016: Nichtleisten von Arbeitsstunden als Grund für Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung, Weisung, Verstoß gegen Bewährungsauflagen (S. 76)

 

 

TAGUNGSBERICHTE

Franzen, R.: Arbeit als Sanktion - Arbeit als Strafe – Arbeit statt Strafe? Zur Ausgestaltung von Arbeit als jugendstrafrechtliche Reaktion. Tagungsbericht vom 3.-5. Februar 2017 in der Evangelischen Akademie Bad Boll (S. 78)

 

REZENSIONEN

Pieplow, L.: Julia Gräf - Die Diversion im Jugendstrafrecht im Lichte der Angewandten Kriminologie Jugendgerichtsgesetz – Kommentar (S. 79)

 

 

Nachrichten und Mitteilungen (S. 82)

Gesetzgebungsübersicht (S. 85)

Termine (S. 88)

DVJJ-Intern (S. 89)

Berichte aus den Landes- und Regionalgruppen, Arbeitsgemeinschaften (S. 91)

Kontaktadressen (S. 102)

Impressum (S. 103)

Materialien zum Jugendstrafrecht (S. 104)

Letzte Änderung dieser Seite: 
23.03.2017

+++ Heft 3/17 der ZJJ ist da +++

Ausgabe 3/2017 der ZJJ ist erschienen und dem Schwerpunkt "Historische Aspekte des Jugend(straf-)rechts" gewidmet.
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