Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe - ZJJ 2/2017

SCHWERPUNKT: Junge Volljährige

Jahrgang 28, Juni 2017

Im Folgenden finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 2/2017. Einzelne Artikel können Sie (gegen Erstattung der Kopier- und Portokosten) über die Geschäftsstelle erhalten.

Als besonderen Service zum "Reinschnuppern" stellen wir beginnend mit Heft 3/14 pro ZJJ-Ausgabe einen ausgesuchten Beitrag zum kostenlosen Download zur Verfügung. Diesmal handelt es sich um den Beitrag von Christian Laue „Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu § 105 JGG“.
Den Beitrag können Sie hier kostenlos herunterladen.

Inhaltsverzeichnis zum Download

Laue, C.: Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu § 105 JGG (S. 108)
Mit der Neufassung des JGG 1953 wurde dessen Anwendungsbereich auf 18- bis 20-jährige Straftäter erweitert. Ein Reifegleichstand mit Jugendlichen oder die Begehung einer Jugendverfehlung machten nach § 105 JGG die Anwendung des materiellen Jugendstrafrechts auf diese Altersgruppe notwendig. Für die Jugendstrafjustiz waren diese Regelungen ohne Vorbild, so dass der Rechtsprechung die Aufgabe zukam, eine praxistaugliche Auslegung zu entwickeln. Im folgenden Beitrag wird die Rolle des BGH in diesem Prozess nachgezeichnet.
Keywords: Heranwachsende, materielles Jugendstrafrecht, Reifeentwicklung, Jugendverfehlung, BGH-Rechtsprechung

Heinz, W.: Junge Volljährige im Prozess strafrechtlicher Sozialkontrolle - Ein Überblick anhand amtlicher Statistiken (S. 115)
Heranwachsende weisen im Hellfeld polizeilicher Registrierung die höchste Kriminalitätsbelastung auf. Sowohl insgesamt als auch bei Gewaltkriminalität ist ihre Kriminalitätsbelastung im Wesentlichen aber rückläufi g. Aufgrund von Prozessen der Ausfilterung werden – mit deliktsspezifischer Variabilität – im Schnitt nur ca. 20% der tatverdächtigen Heranwachsenden auch verurteilt. Im zeitlichen Längsschnitt wird die Schere zwischen Tatverdächtigen- und Verurteiltenbelastung größer, und zwar auch bei schweren Delikten.
Keywords: Heranwachsende, strafrechtliche Sozialkontrolle, Trichtermodell, Kriminalitätsentwicklung, Alters-Kriminalitäts-Verteilung

Dünkel, F., Geng, B., Passow, D.: Erkenntnisse der Neurowissenschaften zur Gehirnreifung („brainmaturation“) – Argumente für ein Jungtäterstrafrecht (S. 123)
In der Zusammenschau der Forschungsbefunde zur Genese, Entwicklung und zu den differentiellen Verlaufsprozessen der Delinquenz von der Kindheit über die Adoleszenz bis ins Erwachsenenalter liegen mittlerweile neuere Erkenntnisse der Neurowissenschaften vor, die für das Verständnis der Alters-Kriminalitäts-Kurve einen zusätzlichen und ergänzenden Erklärungsbeitrag leisten können. Insbesondere der „rechte“ Abschnitt der Alters-Kriminalitäts-Kurve, also die spätere Entwicklungsphase von der Spätadoleszenz (etwa ab 18 Jahren) zum Jungerwachsenen (bis Mitte der dritten Lebensdekade) erfährt im Licht aktueller neurowissenschaftlicher Forschungsbefunde einen erweiterten kriminologischen Interpretationsrahmen, in dem einerseits bisherige empirisch-kriminologische Befunde ihre kohärente Entsprechung finden und andererseits sich spezifische Fragestellungen – etwa im Hinblick auf justizielle Reaktionen und Interventionen – neu bzw. anders akzentuiert stellen. Die Forderung nach einem Jungtäterrecht mit der Möglichkeit der Anwendung jugendstrafrechtlicher Sanktionen/Reaktionen auch auf Jungerwachsene bis zum Alter von ca. 25 Jahren ist im Licht dieser Erkenntnisse plausibel begründbar.
Keywords: Neurowissenschaften, Jugendstrafrecht, Jungtäterrecht, Jugendkriminalrecht

Quenzel, G.: Volljährig – und nun? Entwicklungsaufgaben der „späten Jugendphase“ (S. 130)
Die Lebensphase Jugend dehnt sich im Lebenslauf zunehmend aus und die Erlangung der finanziellen Autonomie von den Eltern und die Gründung einer eigenen Familie werden von vielen Jugendlichen zeitlich nach hinten verschoben. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Fragen, wie man sein Leben gestalten möchte und wie man sein individuelles Lebensglück finden kann, an Bedeutung gewonnen haben. Junge Menschen spüren heute einen hohen Druck an erfolgreicher Selbstverwirklichung, der zusammen mit einer steigenden Instabilität auf dem Arbeitsmarkt die späte Jugendphase zu einer erheblichen Herausforderung werden lässt.
Keywords: Entwicklungsaufgaben, Jugendalter, Emerging adulthood, Selbstverwirklichung, Instabilität

 

Nüsken D.: Entscheidend ist, was hinten rauskommt? Care Leaver und die Hilfen für junge Volljährige im Blick (S. 134)
Der Artikel widmet sich den Hilfen zur Erziehung für ältere Jugendliche und junge Volljährige. Diese Hilfen werden mit Blick auf die politische Intention, die Kennzeichen der Praxis und einige Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik skizziert und einer Bilanz zugeführt. Ausblickend werden schließlich Herausforderungen und Entwicklungserfordernisse dieser Hilfen, die – blickt man auf das Lebensalter der jungen Menschen – am hinteren Ende der Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe stehen, formuliert.
Keywords: Care Leaver, Hilfen für junge Volljährige, Hilfen zur Erziehung, Verselbständigung, Persönlichkeitsentwicklung, Übergänge, Erwachsen werden, Heimerziehung, Pflegefamilien

 

Dreißigacker, A., Wollinger, G.R.: Jugendliche und Heranwachsende: Eine besondere Gruppe unter den Tätern/innen des Wohnungseinbruchdiebstahls? (S. 138)
Innerhalb der öffentlichen Debatte sowie der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Tätern/innen im Bereich Wohnungseinbruch werden Jugendliche und Heranwachsende kaum thematisiert. Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit jungen Wohnungseinbrechern/innen und geht dabei der Frage nach, ob und inwiefern sich Täter/innen des Wohnungseinbruchs altersspezifisch voneinander unterscheiden. Hierzu werden die Informationen zu 506 verurteilten Tätern/innen herangezogen, welche aufgrund einer Analyse von 3.668 Fallakten zu Wohnungseinbrüchen gewonnen wurden. Im Ergebnis zeigt sich, dass insbesondere jugendliche Täter/innen deutlich von erwachsenen Tätern/innen zu unterscheiden sind: Sie weisen seltener einen Suchthintergrund auf als Erwachsene und begehen häufiger Taten, bei denen sie die Betroffenen kennen. Weiter begehen jugendliche Wohnungseinbrecher/innen die Taten verstärkt gemeinschaftlich in Gruppen, verlassen dabei seltener ihren Wohnort und entwenden häufiger Gegenstände aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik, um diese anschließend selbst zu nutzen.
Keywords: Wohnungseinbruch, Wohnungseinbrecher/innen, Jugendkriminalität, Aktenanalyse

 

WEITERE FACHBEITRÄGE

KRIMINOLOGIE

Baier, D.: Freizeitzentren als Verstärkungsfaktoren der Jugenddelinquenz? Eine erneute Betrachtung auf Basis einer Längsschnittstudie (S. 144)
Der Beitrag stellt Ergebnisse einer Längsschnittstudie zum Zusammenhang von Freizeitzentrenbesuch und delinquentem Verhalten vor. Anhand einer in den Jahren 2009 bis 2011 durchgeführten Dunkelfeldbefragung von 1.269 Schülerinnen und Schülern der 7. bzw. 9. Jahrgangsstufe wird gezeigt, dass sich Freizeitzentrenbesuch und Delinquenz gegenseitig verstärken. Insbesondere für männliche Befragte ergeben sich Hinweise, dass ein Besuch als Ursache für Delinquenz angesehen werden kann. Dabei erweisen sich diejenigen Jugendzentren als problematisch, in denen die Besucher unstrukturierten Aktivitäten nachgehen (mit Freunden „rumhängen“).
Keywords: Freizeitzentren, Delinquenz, Diebstahl, Gewalt, Längsschnitt, Schülerbefragung

 

Fehrmann, S.E., Bulla, S.S.: Suizidprävention im Jugendstrafvollzug - Eine Systematisierung von Präventionsansätzen in Deutschland (S. 151)
Die Übersichtsarbeit fokussiert die Suizidpräventionslandschaft im deutschen Jugendstrafvollzug. Konsens besteht darin, dass die Suizidalität von Inhaftierten ein ernstzunehmendes Phänomen ist, das es im Haftalltag zu verhindern gilt. In einzelnen Haftanstalten existieren durchaus vielfältige Suizidpräventionsansätze, von einem einheitlichen Maßnahmenkatalog ist man allerdings noch weit entfernt. Erschwerend kommt hinzu, dass es nur wenige Veröffentlichungen zu konkreten Präventionsprogrammen gibt. Die hier vorgelegte Systematisierung der Präventionsansätze hilft, Lücken der Suizidprävention aufzudecken und Ergänzungsvorschläge zu unterbreiten.
Keywords: Suizid, Prävention, Jugendstrafvollzug, Intervention, Gesundheitsförderung

 

Hohnstein, S., Greuel, F.: „Freiwilligkeit muss man ja erst herstellen“ - Distanzierungsarbeit im Spannungsfeld zwischen Freiwilligkeit und Zwang (S. 158)
Angebote zur Initiierung und Unterstützung von Distanzierungsprozessen arbeiten mit jungen Menschen, die rechtsextreme Orientierungen und Gruppenzugehörigkeiten ausgeprägt haben. Deren Veränderungsmotivation bzw. Motivation, sich bei der Distanzierung professionell unterstützen zu lassen, ist jedoch häufig (noch) nicht oder nicht hinreichend stark ausgeprägt, um die teils intensiven und langwierigen Distanzierungsprozesse zu tragen. Auf der Grundlage einer empirischen Studie wird im Beitrag beleuchtet, inwiefern Zwang bzw. unfreiwillige Teilnahme in der Arbeit eine Rolle spielen und in welchen Konstellationen diese sichtbar werden. In einem zweiten Schritt wird dargestellt, wie es den Fachkräften trotz der mitunter zunächst von Zwang getragenen Zusammenarbeit gelingt, bei den Zielgruppen hinreichende Motivation zu schaffen. Abschließend wird darauf eingegangen, wie die Fachkräfte vor dem Hintergrund einer am Prinzip der Freiwilligkeit orientierten Professionsethik damit umgehen, dass in der Arbeit zum Teil Zwang gegenüber den Zielgruppen ausgeübt wird.
Keywords: Rechtsextremismus, Distanzierung, Deradikalisierung, Zwang, Freiwilligkeit

 

JUGENDSTRAFRECHT

Sommerfeld, M.: Was kommt auf den deutschen Gesetzgeber, die Landesjustizverwaltungen und die Justizpraxis zu? EU-Richtlinie über Verfahrensgarantien in Strafverfahren für Kinder, die Verdächtige oder beschuldigte Personen in Strafverfahren sind (S. 165)
Nach gut zwei Jahren intensiver Verhandlungen (und phasenweise zähem Ringen) ist am 11. Juni 2016 die EU-Richtlinie über Verfahrensgarantien in Strafverfahren für Kinder, die Verdächtige oder beschuldigte Personen in Strafverfahren sind (im Folgenden: RL 2016/800/EU), in Kraft getreten. Die innerhalb von drei Jahren umzusetzenden EU-Normen betreffen eine ganze Reihe von Regelungsgegenständen. Mit ihnen und – vorangestellt – der Entstehungsgeschichte der Richtlinie beschäftigt sich der folgende Beitrag.
Keywords: EU-Richtlinie über Verfahrensgarantien in Strafverfahren für Kinder, die Verdächtige oder beschuldigte Personen in Strafverfahren sind, EU-RL 2016/800, Verfahrensgarantien, PDV 382

 

Drenkhahn, K.: Sicherungsverwahrung nach Jugendstrafrecht - Ist nach dem Ilnseher-Urteil alles klar? (S. 176)
Der Beitrag erläutert die menschenrechtlichen Probleme im Recht der Sicherungsverwahrung nach Jugendstrafrecht. Ausgangspunkt ist dabei das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in der Rechtssache Ilnseher ./. Deutschland, der ersten Entscheidung des Gerichtshofs zur Sicherungsverwahrung nach JGG. Die Entwicklung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bis dahin wird erklärt und das aktuelle Urteil in den diesen Kontext eingeordnet.
Keywords: Sicherungsverwahrung, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, EMRK, EGMR, Unterbringungsbedingungen, Rückwirkungsverbot

 

FORUM PRAXIS

Speer, D., Oestreich, C., Günther, A.-M.: Mit virtuellen Trainings Hass und Gewalt abbauen Entwicklung webbasierter Angebote für die pädagogische Arbeit mit rechtsextrem orientierten jungen Menschen (S. 181)
Internet und Social Web waren bisher Medien, die Radikalisierungsprozesse eher ermöglicht und begünstigt haben als ihnen entgegenzuwirken. Präventionsansätze, die online deradikalisierend wirken, gibt es kaum. Im Rahmen des Modellprojekts OHA Online Hass Abbauen entwickelt und erprobt Drudel 11 e.V. ein virtuelles Training für rechtsextrem orientierte junge Menschen. Neben der eigenständigen Bearbeitung von Übungseinheiten ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine pädagogische Begleitung durch das Projektteam vorgesehen.
Keywords: Deradikalisierung, Rechtsextremismus, Prävention, virtuelles Training, E-Learning

 

ENTSCHEIDUNGEN ZUM JUGENDSTRAFRECHT

BGH – 3 StR 415/16 – Urteil vom 09.02.2017: Unverzüglichkeit der Vorführung vor den Richter, Belehrungs- und Unterrichtungspflichten, Verwertungsverbot (S. 185)
Ulrich Eisenberg: Anmerkung zu BGH – 3 StR 415/16 – Urteil vom 09.02.2017 (S. 186)

OLG Hamm – 3 Ws 396/16 – Beschluss vom 8. November 2016 (LG Bielefeld – 4 Ns 46/12): Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung, mündliche Anhörungserfordernis (S. 189)

 

REZENSIONEN

Kleimann, M.: Ulrich Eisenberg - Jugendgerichtsgesetz. Kommentar (S. 191)

Schmidt, A., Sonnen, B.-R.: Thomas Trenczek, Brigitta Goldberg - Jugendkriminalität, Jugendhilfe und Strafjustiz Mitwirkung der Jugendhilfe im strafrechtlichen Verfahren (S. 192)

 

Nachrichten und Mitteilungen (S. 194)

Gesetzgebungsübersicht (S. 197)

DVJJ-Intern (S. 200)

Mitgliederversammlung (S. 201)

Kassenprüfbericht (S. 202)

Termine (S. 202)

Kontaktadressen (S. 203)

Impressum (S. 204)

Letzte Änderung dieser Seite: 
14.06.2017

+++ Heft 3/17 der ZJJ ist da +++

Ausgabe 3/2017 der ZJJ ist erschienen und dem Schwerpunkt "Historische Aspekte des Jugend(straf-)rechts" gewidmet.
Mehr >>

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend