Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe - ZJJ 3/2015

SCHWERPUNKTE: Vollzug/Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge/EU-Richtlinie
Jahrgang 26, September 2015

Im Folgenden finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 3/2015. Einzelne Artikel können Sie (gegen Erstattung der Kopier- und Portokosten) über die Geschäftsstelle erhalten.

Als besonderen Service zum "Reinschnuppern" stellen wir beginnend mit Heft 3/14 pro ZJJ-Ausgabe einen ausgesuchten Beitrag zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Diesmal handelt es sich um den Beitrag von Kirstin Drenkhahn: "Aktuelle Aktivitäten der EU im Jugendstrafrecht“.
Den Beitrag können Sie hier kostenlos herunterladen.

Inhaltsverzeichnis zum Download
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FACHBEITRÄGE

SCHWERPUNKT VOLLZUG

Dünkel, F., Geng, B., von der Wense, M.: Entwicklungsdaten zur Belegung, Öffnung und Lockerungspraxis im Jugendstrafvollzug (S. 232)
Die Belegung im Jugendstrafvollzug sinkt seit ca. zehn Jahren drastisch, und zwar sowohl bei Strafgefangenen als auch bei Untersuchungsgefangenen. Es geht nicht mehr um Probleme der Überbelegung, sondern um die Gestaltung des Strukturwandels angesichts mangelnder Auslastung. Die aktuelle Entwicklung kann als Chance gesehen werden, einen systematisch qualitativ hochwertigen und personell gut ausgestatteten Überleitungsvollzug zu realisieren. Hierbei werden der offene Vollzug und Vollzugslockerungen eine besondere Rolle spielen. Die hierzu vorgestellten statistischen Daten zeigen noch erhebliche unausgeschöpfte Potenziale, aber auch positive Entwicklungen in einzelnen Bundesländern auf.
Keywords: Jugendstrafvollzug, Gefangenenraten, U-Haftraten, offener Vollzug, Vollzugslockerungen, Hafturlaub, Freigang, Bundesländervergleich

Boxberg, V., Bögelein, N.: Junge Inhaftierte als Täter und Opfer von Gewalt – Subkulturelle Bedingungsfaktoren (S. 241)
Der Beitrag beschäftigt sich mit Bedingungsfaktoren für Gewalt im Jugendstrafvollzug. Untersucht wird, inwiefern Dominanzverhalten in der Sozialhierarchie, Akzeptanz von Bullying, Zugehörigkeit zu einer Gruppe und Drogenkonsum sowie vorangegangenes Gewaltverhalten mit Gewalt in Form von physischer Gewalt bzw. Zwang zusammenhängen. Die Daten stammen aus dem Kölner Projekt zu Gewalt im Jugendstrafvollzug.
Keywords: Jugendstrafvollzug, Gewalt, Zwang, Subkultur, Längsschnitt

Neuber, A.: Gewalt im Jugendstrafvollzug – kollektive Deutungsmuster und subjektive Bedeutung (S. 248)
Im vorliegenden Beitrag wird auf Grundlage einer qualitativen Längsschnittstudie zum Jugendstrafvollzug für junge Männer die Bedeutung von Gewalt in Jugendhaftanstalten geschlechtertheoretisch untersucht. Dabei werden die kollektiven Deutungsmuster von Gewalt in Beziehung gesetzt zu dem subjektiven Sinn von Gewalt. Abschließend werden vor dem Hintergrund der Ergebnisse Überlegungen für die Praxis diskutiert.
Keywords: Jugendstrafvollzug, Gewalt

Müller, M.: Wege nach der Haft – Ergebnisse einer Längsschnittbefragung junger Inhaftierter kurz vor Haftentlassung und bis zu einem Jahr nach der Haft (S. 254)
Der Beitrag beschreibt Ergebnisse einer Befragung junger inhaftierter Männer und Frauen kurz vor der Entlassung und bis zu einem Jahr nach der Haft. Es zeigt sich, dass viele junge Gefangene über keine Berufsausbildung und keine oder nur niedrige Schulabschlüsse verfügen. Junge inhaftierte Frauen sind davon stärker betroffen. Dementsprechend steht die Frage im Raum, welche Chancen junge Haftentlassene haben, im Anschluss in lebensunterhaltssichernde Arbeitsverhältnisse oder Ausbildungsplätze einzumünden. Es zeigt sich, dass drei Monate nach Haftentlassung die Hälfte der Befragten in vielversprechenden Arbeits- und Ausbildungsverhältnissen angekommen ist, diese jedoch nicht sehr stabil sind und sich die Situation bis zu einem Jahr nach Haft oft verschlechtert. Parallel zu dieser Entwicklung sinkt auch die Zuversicht der Jugendlichen in Bezug auf berufliche und schulische Perspektiven.
Keywords: Jugendstrafvollzug, Haftentlassung, Übergangsmanagement, Arbeitsmarktintegration, Bewährungshilfe

Reckling, P.: Übergangs- und Entlassungsmanagement für junge Menschen zwischen Strafvollzug und Nachbetreuung (S. 261)
Die Übergänge zwischen Strafvollzug und Nachbetreuung sind immer noch in einem nicht befriedigenden Zustand. Die Justizverwaltungen der Bundesländer und freie Träger haben in den vergangenen Jahren zwar viele Bestrebungen unternommen, aber es gibt noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Der Artikel befasst sich mit den Fragen der Überwindung der mangelnden Kooperation der verschiedenen Dienste. Zum Problemfeld der Arbeit/Ausbildung werden 20 positive Thesen erarbeitet. Problemfaktoren der Zusammenarbeit von Jugendgerichtshilfe, Bewährungshilfe und Jugendstrafvollzug wurden in acht Kategorien zusammengefasst. Abschließend werden Konsequenzen aus der Problemanalyse für ein verbessertes Übergangsmanagement in Deutschland gezogen. Es wird angeregt, Standards des Übergangsmanagements zu entwickeln, sozialrechtliche Fragen der Übergänge zu klären und die Entwicklung von Weiterbildungen zu dieser Thematik und den Erfahrungsaustausch mit europäischen Partnern zu forcieren.
Keywords: Übergangsmanagement, Strafvollzug, Nachbetreuung, Zusammenarbeit, Arbeit/Ausbildung, Standards

Hammel, M.: Sozialleistungsansprüche Jugendlicher und Heranwachsender nach dem Vollzug freiheitsentziehender Sanktionen (S. 265)
Gerade die Herausnahme junger Menschen aus ihrem bisherigen Lebensumfeld nach begangenen Straftaten konfrontiert diese Personen immer wieder mit erheblichen Härten. Das oberste Ziel, einer erneuten Delinquenz entgegen zu wirken (§ 2 Abs. 1 Satz 1 JGG), kann nur erreicht werden, wenn es den Betreffenden zusammen mit ihren Angehörigen auch gelingt, während und nach dem Freiheitsentzug die erforderlichen sozialen Hilfen zur Wiedereingliederung zu erhalten. Im Einzelfall sind hier immer wieder schwere Rechtsfragen aufgeworfen. Die Sozialleistungsträger haben ihrerseits erhebliche Schwierigkeiten damit, bei dieser häufig durch besondere, in der Person oder im Verhalten liegende Auffälligkeiten geprägten Klientel die prinzipiell gebotenen Leistungen zu bewilligen.
Keywords: Jugendstrafvollzug, Jugendgerichtsgesetz, Bewährung, Sozialhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Grundsicherung für Arbeitssuchende, Besuchsfahrten, Taschengeld, Erhaltung der Unterkunft, stationäre Einrichtung, medizinische Rehabilitation, gesetzliche Rentenversicherung

SCHWERPUNKT UNBEGLEITETE MINDERJÄHRIGE FLÜCHTLINGE

Kurz-Adam, M.: Jugendhilfe ohne Grenzen? Anmerkungen zur Zukunft der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in der Kinder- und Jugendhilfe (S. 272)
Die Zahl der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge in Deutschland hat sich vervielfacht. Ihre Aufnahme, Versorgung und Betreuung stellt die Kinder- und Jugendhilfe vor große Herausforderungen. Die aktuelle Gesetzesinitiative des Bundes zur Änderung des SGB VIII will die Aufnahmesituation und die rechtliche Situation für die jungen Menschen verbessern. Die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für alle jungen Menschen unter 18 Jahren soll gefestigt werden, zugleich sollen die aktuell bestehenden Aufnahmeprobleme vor allem in den großen Städten in Deutschland durch ein kindeswohlgerechtes bundesweites Verteilungsverfahren bewältigt werden. Die Herausforderung für die Kinder- und Jugendhilfe wird darin bestehen, ihren Kern, die Sorge um das Kindeswohl, auch in dieser neuen Gesetzeslage zu wahren, und bestehende Disparitäten in der Arbeit mit den jungen Menschen aufzulösen. Das Wissen, das in den engagierten Netzwerken auf lokaler Ebene entstanden ist, ist unverzichtbar für diese Angleichung. Die Solidarität in der Kinder- und Jugendhilfe ist der Schlüssel für eine gelingende Aufnahme der jungen Menschen.
Keywords: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Jugendhilfe, Kindeswohl, Kinderrechte, Solidarität

Espenhorst, N., Noske, B.: „Ein Tag mit meinen Eltern ist besser als ein Jahr hier“ Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zwischen Aufenthaltsrecht und Jugendhilfe
(S. 276)

Die Zahl schutzsuchender Menschen in Deutschland ist in den letzten Jahren wieder deutlich gestiegen. Unter ihnen befinden sich auch unbegleitete Minderjährige, die aufgrund des Fehlens von Sorgeberechtigten in Deutschland einen besonderen Status haben. Sie müssen unmittelbar durch die Jugendämter in Obhut genommen werden und werden in der Regel in Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht. Bislang sind unbegleitete Minderjährige im Gegensatz zu anderen schutzsuchenden Menschen von einer bundesweiten Verteilung ausgenommen. Das soll sich jedoch zum Jahresbeginn 2016 ändern. Der Artikel wirft im ersten Teil einen Blick auf die Ankommenssituation und auf die Herausforderungen der Umverteilung. Im zweiten Teil des Artikels geht es um die Perspektiven der Jugendlichen selbst. Im Rahmen eines europäischen Projektes zur „Bestimmung und Umsetzung von nachhaltigen Perspektiven für unbegleitete Minderjährige“ hat der Bundesfachverband UMF Interviews mit (ehemaligen) unbegleiteten Minderjährigen, Vormündern und Betreuern geführt und zentrale Aspekte für die Berücksichtigung des Kindeswohls herausgearbeitet.
Keywords: Asylverfahren, Inobhutnahme, Beteiligung, Bildung, Hilfeplanung

Brinks, S., Dittmann, E., Müller, H.: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Kinder- und Jugendhilfe – aktuelle Entwicklungen (S. 281)
Alle vier Sekunden wird irgendwo auf der Welt ein Mensch gezwungen, seine Heimat zu verlassen und sich in eine unbestimmte Zukunft zu begeben. Besonders alarmierend ist dabei die Tatsache, dass etwa die Hälfte der weltweiten Flüchtlinge Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind (vgl. UNHCR 2015). Eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit den Themen Flucht und Asyl erfordert daher auch immer die Beschäftigung mit der Frage, mit welchen Herausforderungen Kinder und Jugendliche in diesem Zusammenhang konfrontiert werden, welche Hilfe sie benötigen und wie eine adäquate Unterstützung geleistet werden kann. Für die Betreuung und Versorgung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge ist in Deutschland die Kinder- und Jugendhilfe verantwortlich. Der vorliegende Beitrag diskutiert aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich vor dem Hintergrund der Ergebnisse eines Praxisforschungsprojektes.
Keywords: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kinder- und Jugendhilfe, Hilfen zur Erziehung, interkulturell, migrationssensibel

Smessart, A.: Bundesregierung beschließt den Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher
Ein Überblick sowie eine erste vorsichtige Einschätzung (S. 286)

Der Beitrag skizziert und bewertet die wesentlichen Eckpunkte des kürzlich von der Bundesregierung beschlossenen Gesetzentwurfs zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher insbesondere mit Blick auf die vorgesehenen Regelungen zur vorläufigen Inobhutnahme und zur Verteilung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge.
Keywords: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Inobhutnahme, Verteilung, Zuständigkeit, Vormund

SCHWERPUNKT EU-RICHTLINIE VERFAHRENSGARANTIEN FÜR VERDÄCHTIGE UND BESCHULDIGTE KINDER

Drenkhahn, K.: Aktuelle Aktivitäten der EU im Jugendstrafrecht Richtlinie über Verfahrensgarantien im Strafverfahren für verdächtige und beschuldigte Kinder (S. 288)
Zurzeit beraten die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und der Rat über den Vorschlag einer EU-Richtlinie über Verfahrensgarantien im Strafverfahren für verdächtige und beschuldigte Kinder. Zunächst verortet der Beitrag das Vorhaben in der EU-Politik auf dem Feld der Strafjustiz und erklärt das Gesetzgebungsverfahren. Dann wird der Inhalt des Kommissionsvorschlags zusammengefasst, die wichtigsten Unterschiede zwischen den Fassungen von Kommission, Rat und Parlament erläutert und abschließend das Vorhaben insgesamt bewertet. Keywords: Europäische Union, Strafverfahren, Verfahrensgarantien, Kinder

Franzen; R.: Gut gemeint ... Wie sich die EU den Schutz von Kindern vorstellt, oder: wenn mit einer Revolution von oben das Jugendstrafverfahren von den Füßen auf den Kopf gestellt wird (S. 293)
Der folgende Beitrag diskutiert den Entwurf der Europäischen Kommission über Verfahrensgarantien in Strafverfahren für verdächtige und beschuldigte Kinder und warnt vor den Gefahren der vorgesehenen Regelungen für das deutsche Jugendstrafrechtssystem.
Keywords: EU-Richtlinie Verfahrensgarantien, Misstrauen, Schutz, Beistand, Geständnis

Pieplow, L.: Kommentierungen des „Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Verfahrensgarantien in Strafverfahren für verdächtige oder beschuldigte Kinder“ (S. 296)
Am 17. April 2015 hat das Informationsbüro des Europäischen Parlaments in Deutschland ein Fachgespräch zur EU-Richtlinie Verfahrensgarantien für verdächtige oder beschuldigte Kinder in Strafverfahren ausgerichtet, an dem Frau Caterina Chinnici in ihrer Funktion als Mitglied des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres des Europäischen Parlaments teilgenommen hat. Im Rahmen der Veranstaltung waren Expertinnen und Experten eingeladen, Kommentierungen der vorgesehenen Regelungen vorzunehmen. Diese Kommentierungen dokumentieren wir nachfolgend.

Gebauer, M.: Kommentierungen des „Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Verfahrensgarantienin Strafverfahren für verdächtige oder beschuldigte Kinder“ (S. 297)

Höynck, T.: Kommentierungen des „Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Verfahrensgarantien in Strafverfahren für verdächtige oder beschuldigte Kinder“ (S. 298)

 

KRIMINOLOGIE

Emig, O., Lorenz, F., Schreier, M.: „Alles normale Menschen“ - Einsichten zur Verortung Sozialer Trainingskurse im Feld der Bearbeitung von Jugendkriminalität (S. 199)
Soziale Trainingskurse (STK) sind im Schnittfeld von Sozialer Arbeit, Justiz sowie kriminalpolitischen und medialen Diskursen um Jugendkriminalität verortet und lassen sich nur entsprechend kontextualisiert verstehen. Auf Grundlage einer Evaluierung der STK dreier Bremer Jugendhilfeträger beleuchtet der Beitrag die Frage, was innerhalb der Kurse geschieht und wie sie wahrgenommen werden. Aus einer Perspektive interpretativer Sozialforschung wird ein Fokus auf die Sichtweise der Teilnehmenden („Innenperspektive”) gelegt, die ergänzt wird durch Einschätzungen von Fachkräften der Jugendhilfe im Strafverfahren („Außenperspektive”). Der Artikel schließt mit Überlegungen zur Rolle der STK im Feld der Bearbeitung von Jugendkriminalität.
Keywords: Soziale Trainingskurse (STK), Evaluation, Sichtweisen von Teilnehmenden der STK, Jugendhilfe im Strafverfahren


JUGENDSTRAFRECHT

Décarpes, P.: Jugendstrafrecht, New Punitiveness und Reformeifer in Frankreich
(2002-2015) (S. 305)

Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der politischen, gesetzlichen und praktischen Entwicklung der Jugendkriminalität, des Jugendstrafrechts und des Jugendstrafvollzugs in Frankreich. Der dazu gehörende Reformeifer und dessen Instrumentalisierung, welche zwischen 2002 und 2012 dieses Thema besonders belastet haben, werden am Beispiel des Freiheitsentzuges von Jugendlichen aus einer kritisch-kriminologischen Perspektive erläutert und analysiert.
Keywords: Jugendstrafrecht, Frankreich, Reformen


JUGENDHILFE

Eberitzsch, S., Eichenauer, P., Kundt, D.: Vier Thesen zu aktuellen Herausforderungen bei der Abwendung von Untersuchungshaft für Jugendliche (S. 310)
In dem Beitrag werden Thesen eines Arbeitskreises zur Diskussion gestellt, der unter dem Titel „Jugenduntersuchungshaft – ein Dauerproblem: spielen die Alternativen überhaupt eine Rolle?“ im Rahmen des 3. Bundeskongress der Jugendhilfe im Strafverfahren und der ambulanten sozialpädagogischen Angebote für straffällig gewordene junge Menschen stattgefunden hat.
Keywords: U-Haftvermeidung, §§ 71, 72, 72a JGG, Jugendhilfe im Strafverfahren, Jugendgerichtshilfe, Haftentscheidungshilfe

 

FORUM PRAXIS

Kunath, W.: Von der Eiszeit zum Klimawandel - Das Verhältnis von Polizei und Sozialarbeit in der Entwicklung (S. 313)
Das Verhältnis von Polizei und Sozialarbeit war in den 1970er Jahren extrem belastet und vergiftet. Sowohl die politisch Verantwortlichen als auch die handelnden Akteure hatten von den jeweils anderen Arbeitsbereichen kaum oder gar keine gesicherten Kenntnisse. Insbesondere die Auseinandersetzungen um die geschlossene Heimerziehung heizten die Streitigkeiten an. In der praktischen Arbeit führte diese Situation zu Blockaden, gegenseitigen Schuldzuweisungen, Abgrenzungen und zum Teil sogar zu wechselseitig ausgesprochenen Hausverboten und zur gegenseitigen Erstattung von Strafanzeigen, Dienstaufsichtsbeschwerden usw. Der Beitrag berichtet aus subjektiver Sicht eines Polizeibeamten über die damalige Zeit und die Entwicklungen in den folgenden Jahren, die einerseits zur Seminarreihe „Polizei & Sozialarbeit“ in der DVJJ geführt und andererseits das Verhältnis der Polizei zur Sozialarbeit und umgekehrt positiv verändert haben: Von der Eiszeit zum Klimawandel.
Keywords: Polizei, Sozialarbeit, geschlossene Heimerziehung, Rollen, Kooperation, Jugendbeauftragte

 

Panitz, A., u.a.: „Wir konnten noch nie so gut über Drogen reden“ - Kurzzeit-Drogenpräventionsarbeit mit selbstproduzierten Ex-User-Interview-Filmen im Jugendarrest - Praktische Erfahrungen einer studentischen Projektgruppe der Hochschule München (S. 317)
Mit Hilfe von selbstproduzierten Ex-User-Interview-Filmen wurde im Wintersemester 2012/2013 von einer studentischen Projektgruppe der Hochschule München eine mediengestützte Kurzzeit-Drogenpräventionsarbeit in der Jugendarrestanstalt München angeboten. Insassen3 einer Jugendarrestanstalt haben häufig einschlägige Drogenerfahrungen bzw. -probleme. Während sie „draußen” meist schwer zu erreichen sind, zeigen sie in der Arrestanstalt oftmals die Bereitschaft, die Zeit der Inhaftierung für eine Auseinandersetzung mit sie betreffenden Themen, beispielsweise im Rahmen einer themenspezifischen Gruppenarbeit, zu nutzen. Im vorliegenden Beitrag werden Ergebnisse vorgestellt, die durch die Auswertung von Teilnehmer-Fragebögen sowie durch die Analyse der studentischen Praxis- und Reflexionsprotokolle gewonnen wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass mit Hilfe der Interview-Filme vielfältige Themengebiete offen problematisiert werden konnten. Deutlich wurde zudem, dass die Teilnehmer wenig informiert waren und das Interesse an fundiertem Fachwissen über Drogen groß war. Die Jugendlichen bewerteten das Angebot insgesamt positiv und äußerten einen besonderen Informations- und Redebedarf zum Thema Spielsucht.
Keywords: Jugendarrest, Haft, Drogen, Drogenkonsum, Drogenprävention, Sekundärprävention, Sozialpädagogik

 

ENTSCHEIDUNGEN zum JUGENDRECHT

OLG Rostock – 126 Js 16621/12, 20 RR 108/14 – Beschluss vom 06.01.2015 (S. 323)
Befangenheit eines Sachverständigen bei Nichtbeachtung der Aussageunwilligkeit eines zeugnisverweigerungsberechtigten Kindes

Ulrich Eisenberg: Anmerkung zu OLG Rostock – 20 RR 108/14 – Beschluss vom 06.01.2015 (S. 324)

LG Kaiserslautern – 5 Qs 101/14 – Beschluss vom 26.01.2015 (S. 327)
Bestimmtheit von (Bewährungs-)Auflagen

AG Eilenburg – Eröffnungsbeschluss vom 27.07.2015 (S. 328)
Zulassung und Eröffnung des Hauptverfahrens

 

REZENSIONEN

Kretschmer, J.: Friedrich Schaffstein, Werner Beulke, Sabine Swoboda, Jugendstrafrecht – Eine systematische Darstellung (S. 331)

Liebscher, L.: Peter Koler, Rausch und Identität – Jugendliche in Alkoholszenen, Brixener Studien zu Sozialpolitik und Sozialwissenschaft (S. 332)

Schmidt, C.: Karin Lobinger, Kostentragung und Anordnungskompetenz im Verhältnis von Justiz und Jugendhilfe, Eine Analyse des § 36a Abs. 1 S. 1 2. HS SGB VIII (S. 334)

Drewniak, R.: Sandra Hofmann, Soziale Trainingskurse als ambulante Maßnahmen im Rahmen des Jugendstrafverfahrens. Eine bundesweite Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung von Anti-Gewalt-Trainings und Trainings für Mädchen (S. 335)


Nachrichten und Mitteilungen (S. 336)

Gesetzgebungsübersicht (S. 338)

Termine (S. 340)

DVJJ-Intern (S. 341)

Bericht der Kassen- und Buchprüfung für das Haushaltsjahr 2014 (S. 342)

Kontaktadressen (S. 343)

Impressum (S. 344)

Letzte Änderung dieser Seite: 
21.09.2015

+++ Heft 2/17 der ZJJ ist da +++

Ausgabe 2/2017 der ZJJ ist erschienen und dem Schwerpunkt "Junge Volljährige" gewidmet.
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Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend