Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe - ZJJ 3/2018

Jahrgang 29, September 2018

Im Folgenden finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 3/2018. Einzelne Artikel können Sie (gegen Erstattung der Kopier- und Portokosten) über die Geschäftsstelle erhalten.

Als besonderen Service zum "Reinschnuppern" stellen wir beginnend mit Heft 3/14 pro ZJJ-Ausgabe einen ausgesuchten Beitrag zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Diesmal handelt es sich um den Beitrag von Bernd Dollinger „Populistische Kriminalpolitik? Neuere Entwicklungen des politischen Umgangs mit Jugendkriminalität“.
Den Beitrag können Sie hier kostenlos herunterladen.

Inhaltsverzeichnis zum Download


KRIMINOLOGIE

 

Neuber, A.: Täter- und Opferpositionen aus geschlechtertheoretischer Perspektive (S. 184)
Kulturell ist Männlichkeit mit Täterschaft und Weiblichkeit mit Opferschaft verknüpft. Diese geschlechterdifferente Annahme führt zu einer Nicht-Thematisierung des Zusammenhangs von Männlichkeit und Opferschaft und der Verleugnung männlicher Verletzungsoffenheit. Der Beitrag fasst Geschlecht als Konfliktkategorie und nimmt die Täter-Opfer-Ambivalenzen in den Blick. Dadurch gerät die enge Verknüpfung von Männlichkeit und Täterschaft ins Wanken.
Keywords: Opferschaft, Täterschaft, Geschlecht, Männlichkeit, Gewalt

 

Klatt, T.: Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend als Prädiktor für spätere Gewaltausübung und -viktimisierung im Erwachsenenvollzug (S. 190)
Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang von (1) Gewalterfahrungen im Elternhaus, (2) Gewalt durch und gegen Mitschüler bzw. Mitschülerinnen und (3) Gewaltausübung und -viktimisierung im Erwachsenenvollzug. Hierzu wurden die Angaben von über 4.400 männlichen Gefangenen ausgewertet. Die Ergebnisse eines Strukturgleichungsmodells zeigen, dass sowohl Gewalterfahrungen im Elternhaus als auch in der Schule Viktimisierungserfahrungen im Vollzug vorhersagen. Das Aus üben von Gewalt gegen Mitgefangene wird hingegen von gewalttätigem Verhalten in der Schule beeinflusst, welches wiederum durch elterliche Gewalt bedingt wird. Opfer- und Täterschaft korrelieren zudem signifikant miteinander – sowohl im Vollzug als auch im Schulkontext.
Keywords: Gefängnis, Gewalt, Viktimisierung, Vollzug, Kindesmisshandlung

 

Krieg, Y., Beckmann, L., Bergmann, M.C.: Politisches Wissen und rechtsextreme Einstellungen unter niedersächsischen Jugendlichen - Ergebnisse einer Schülerbefragung (S. 198)
Mangelnde politische Bildung und damit ein niedrig ausgeprägtes Verständnis von den Grundwerten und Funktionen einer Demokratie werden oftmals als eine Ursache für die Entwicklung antidemokratischer und rechtextremer Einstellungsmuster genannt. Anhand von Daten einer Schülerbefragung in einer niedersächsischen Mittelstadt soll untersucht werden, ob der politische Wissensstand von Schüler/innen einen Einfluss auf unterschiedliche Dimensionen rechter Einstellungen hat. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass 3,4% der Jugendlichen ein „geschlossen rechtsextremes Weltbild” aufweisen. Die politische Bildung einer Schulklasse kann vor allem im Hinblick auf die Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, die Verharmlosung des Nationalsozialismus, den Sozialdarwinismus und den Chauvinismus ein protektiver Faktor sein. Interessant ist dieses Ergebnis dahingehend, dass dieser Effekt unabhängig vom individuellen Wissensstand der Heranwachsenden gilt. Aufgrund dessen sollten Lehrkräfte dazu motiviert werden, ein möglichst hohes Niveau an politischem Wissen in der Schulklasse zu erreichen, um rechten Einstellungen vorzubeugen.
Keywords: Politisches Wissen, Politische Bildung, Rechtsextremismus, Jugendliche, Schülerbefragung

 

Stiller, A., Doll, K.: Der Umgang mit lernbehinderten oder geistig behinderten Kindern und Jugendlichen im Strafverfahren - Ein Literaturüberblick (S. 205)
Internationale Studien zeigen, dass Opfern oder Zeugen/innen mit einer geistigen Behinderung oder einer Lernbehinderung weniger Glauben geschenkt wird. Vorurteile und Mythen über Menschen mit geistiger Behinderung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Im Verlauf eines Strafverfahrens können sich derartig (unbewusste) Konzepte sowie auch andere Faktoren, wie Verfahrensdauer, Befragungstechnik oder eine mangelhafte Informiertheit nachteilig für behinderte (jugendliche) Zeugen/innen auswirken. Es ist zwingend notwendig, dieses Feld zu erhellen und auf diese Benachteiligung aufmerksam zu machen, da wir von einer Verfahrensgerechtigkeit noch weit entfernt sind.
Keywords: Behinderung, Strafverfahren, Kinder, Jugendliche, Diskriminierung

 

 

JUGENDSTRAFRECHT

Dollinger, B.: Populistische Kriminalpolitik? Neuere Entwicklungen des politischen Umgangs mit Jugendkriminalität (S. 213)
Der Beitrag setzt sich mit den Fragen auseinander, wie sich politische Debatten zu Jugendkriminalität jüngst verändert haben und ob eine mögliche Transformation zutreffend als populistisch beschrieben werden kann. Dies ist ein ersichtlich hoher Anspruch, der hier nur selektiv eingelöst werden kann. Als Grundlage der Ausführungen dient eine empirische Studie, in der politische Diskurse primär anhand von Parlaments debatten rekonstruiert wurden. Im Ergebnis zeigt sich weniger eine bestimmten Personen oder Parteien zuzuordnende Form von Populismus als eine Form von Politik, die insgesamt zunehmend von (erwarteter) Zustimmung durch die Wählerschaft geprägt zu sein scheint. Relevant ist in diesem Rahmen eine erstarkte Ausrichtung an der Beteuerung, Sicherheit zu gewährleisten. Keywords: Populismus, Parlamentsdebatten, Punitivität, Jugendkriminalität

 

 

 

 

Schady, J., Sommerfeld, M.: Die Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung und der Erziehungsgedanke – zugleich eine jugendstrafrechtsdogmatische Erwiderung auf den Beitrag von Reitemeier in ZJJ 2017, S. 354 ff. (S. 219)
Die durch das „Gesetz zur Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung” zum 1. Juli 2017 in Kraft getretenen Gesetzesänderungen und ihre Konsequenzen für die Rechtsanwendung insbesondere im Jugendstrafrecht sind Gegenstand des Beitrags „Die Reform der Vermögensabschöpfung” von REITEMEIER in Heft 4/2017 (S. 354 ff.) der Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe gewesen. Diesen Beitrag nehmen die Autoren zum Anlass einer näheren Betrachtung der Anwendung allgemeiner Vorschriften im Bereich des Jugendstrafrechts. Am Beispiel der Vermögensabschöpfung stellen sie den Meinungsstand in Literatur und Rechtsprechung dar und zeigen die Möglichkeiten und Grenzen einer jugendadäquaten Gesetzesauslegung und -anwendung allgemeiner Vorschriften auf. In diesem Zusammenhang hinterfragen sie den im oben genannten Beitrag eingenommenen Standpunkt, dass der Grundsatz „Straftaten dürfen sich nicht lohnen!” im Jugendstrafrecht genauso gelte wie im Erwachsenenstrafrecht, und stellen dem eine differenzierte, der Gesetzessystematik des JGG ebenso wie dem Prinzip des Erziehungsgedanken Rechnung tragende Lösung entgegen.
Keywords: Vermögensabschöpfung, Einziehung des Taterlangten, Absehen von der Einziehung

 

 

Ernst, S., Höynck, T.: Zeugnisverweigerungsrecht der Jugendhilfe im Strafverfahren? (S. 228)
Der Beitrag befasst sich mit der Frage, ob die Jugendhilfe im Strafverfahren ein Zeugnisverweigerungsrecht hat. Hierzu wird zunächst die Situation des Gerichts betrachtet, sodann die Rolle der Jugendhilfe im Strafverfahren. Auf dieser Grundlage wird die Rechtslage zum Sozialdatenschutz im SGB VIII vorgestellt und deren Folgen für eine mögliche Zeugenrolle der Jugendhilfe im Strafverfahren diskutiert. Im Ergebnis wird davon ausgegangen, dass ein strafprozessuales Zeugnisverweigerungsrecht in aller Regel nicht besteht, der Sozialdatenschutz allerdings die Zulässigkeit der Übermittlung von Daten deutlich einschränken kann.
Keywords: Jugendhilfe im Strafverfahren, Zeugnisverweigerungsrecht, Sozialdatenschutz, Aussagegenehmigung

 

 

JUGENDHILFE

Lindenberg, M.: Zwischen Risikoorientierung und Politik der Würde: Haltung und Handeln im Umgang mit straffällig gewordenen jungen Menschen (S. 235)

Was wir tun, geschieht in der Praxis des fachlichen Handelns ganz überwiegend auf der Grundlage impliziten Wissens. Der begriffliche Unterschied zwischen „expliziten” und „impliziten” Wissen verdeutlicht, dass „wir mehr wissen, als wir zu sagen wissen.” Dieser Umstand, der uns allen klar und selbstverständlich ist und den wir doch nur selten in Worte fassen, zeigt sich daran, dass wir ein bestimmtes Gesicht einer Person – die uns noch nicht einmal besonders nahe stehen muss – unter einer großen Anzahl von Gesichtern wiedererkennen werden. Das ist unser implizites Wissen. Nach den besonderen Merkmalen dieses Gesichtes befragt, vermögen wir aber nur sehr undeutliche und vage Angaben zu machen. Das ist unser explizites Wissen. Dieses explizite Wissen, also das Vermögen, anderen zu verdeutlichen, was wir an Wissen in uns tragen, reicht nicht aus, diese anderen zu befähigen, das von uns beschriebene Gesicht unter einer auch nur kleinen Anzahl von Gesichtern herauszufinden.
Keywords: Haltung, Politik der Würde, Verbrechenskontrolle, Risikoorientierung

 

 

FORUM PRAXIS

Mader, S.: Präzeptorei Schönberg – Untersuchungshaftvermeidung, Inobhutnahme und Hilfen zur Erziehung seit 1999 (S. 240)

Im April 2019 feiert die „Präzeptorei Schönberg“ ihr 20-jähriges Bestehen als Jugendhilfeeinrichtung mit den drei Säulen „Inobhutnahme“ (§ 42 SGB VIII), „Untersuchungshaftvermeidung“ (§§ 71 Abs. 2, 72 Abs. 4 JGG) und „Hilfen zur Erziehung“ (§§ 34, 35, 41 SGB VIII). Die „Präzeptorei Schönberg“ ist in Trägerschaft der „Jugendwerkstatt Nova gGmbH“ mit Sitz in Schlotheim. Zur „Jugendwerkstatt Nova gGmbH“ gehört ebenfalls die Clearingstelle und das Kinder- und Jugendheim in Mühlhausen-Felchta mit Schwerpunkt in der Betreuung von Unbegleitet minderjährigen Ausländern – UmA. Manch einer von Ihnen hat die Präzeptorei Schönberg am äußersten Zipfel des Unstrut-Hainich-Kreises, wenige hundert Meter vom Wartburgkreis und nur ein paar Kilometer vom hessischen Werra-Meißner-Kreis vielleicht schon besucht? „Hinter der Streugutkiste rechts in die Kastanienallee.“ oder „Auf der linken Seite vor Ihnen sehen Sie ein altes Bushäuschen, dort geht es links in die Kastanienallee. Am Ende der Straße haben Sie die Präzeptorei Schönberg erreicht.“, so oder so ähnlich klang und klingt die Wegbeschreibung immer noch, um die Untersuchungshaftvermeidungseinrichtung zu finden.

 

 

 

ENTSCHEIDUNGEN ZUM JUGENDRECHT

 

LG Essen – 64 Qs 51/17 – Beschluss vom 09.03.2018: Pflichtverteidiger, nachträgliche Beiordnung, Wegfall des Beiordnungsgrundes Waffengleichheit (S. 242)

 

Lukas Pieplow: Anmerkung zu LG Essen – 64 Qs 51/17 – Beschluss vom 09.03.2018 (S. 244)

 

LG Münster – 10 Ns-220 Js 384/15-14/18. – Urteil vom 12.07.2018: Vermögensabschöpfung, Einziehung von Taterträgen, Einziehung des Wertes von Taterträgen (S. 245)

 

AG Frankfurt am Main – 905 Ds 4610 Js 218247/17 – Urteil vom 29.03.2018: Vermögensabschöpfung, Einziehung des Wertes des Erlangten (S. 249)

 

AG Frankfurt am Main – 905 Ds 4720 Js 220181/17 – Urteil vom 29.03.2018: Vermögensabschöpfung, Einziehung des Wertes des Erlangten (S. 251)

 

 

TAGUNGSBERICHTE

 

Höynck, T. World Congress on Justice for Children - Tagungsbericht vom 28. bis 30. Mai 2018 in Paris (S. 254)

 

 

REZENSIONEN

 

Wößner, G.: Bernd Maelicke, Stefan Suhling (Hrsg.), Das Gefängnis auf dem Prüfstand Zustand und Zukunft des Strafvollzuges (Edition Forschung und Entwicklung in der Strafrechtspflege) (S. 255)

 

 

 

DOKUMENTATION

 

Stellungnahme des Vorstands der DVJJ Reform der Vermögensabschöpfung und Jugendrecht  (S. 257)

Stellungnahme der DVJJ-Landesgruppe Bremen zur Reform der Vermögensabschöpfung und Jugendrecht (S. 258)

 

Nachrichten und Mitteilungen (S. 260)

Gesetzgebungsübersicht (S. 262)

Termine (S. 264)

DVJJ-Intern (S. 265)

Kontaktadressen (S. 266)

Impressum (S. 267)

Materialien zum Jugendstrafrecht (S. 268)

 

Letzte Änderung dieser Seite: 
11.09.2018

+++ Heft 4/18 der ZJJ ist da +++

Ausgabe 4/2018 der ZJJ ist erschienen und dem Schwerpunkt "Herausfordernde Zielgruppen" gewidmet.
Mehr >>

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend