Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe - ZJJ 4/2016

SCHWERPUNKT: Sucht und Suchtmittelkonsum

Jahrgang 27, Dezember 2016
Im Folgenden finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 4/2016. Einzelne Artikel können Sie (gegen Erstattung der Kopier- und Portokosten) über die Geschäftsstelle erhalten.

Als besonderen Service zum "Reinschnuppern" stellen wir beginnend mit Heft 3/14 pro ZJJ-Ausgabe einen ausgesuchten Beitrag zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Diesmal handelt es sich um den Beitrag von Dirk Baier, Katharina Schepker und Marie Christine Bergmann: „Macht Kiffen friedlich und Saufen aggressiv? Zum kausalen Zusammenhang von Cannabis- und Alkoholkonsum und delinquentem Verhalten“.

Den Beitrag können Sie hier kostenlos herunterladen.

Inhaltsverzeichnis zum Download
Editorial zum Download

SCHWERPUNKT SUCHT UND SUCHTMITTELKONSUM

Baier, D., Schepker, K., Bergmann, M.C.: Macht Kiffen friedlich und Saufen aggressiv? Zum kausalen Zusammenhang von Cannabis- und Alkoholkonsum und delinquentem Verhalten (S. 324)
Dieser Beitrag untersucht die Frage, ob Cannabis- und Alkoholkonsum einen kausalen Zusammenhang mit delinquenten Verhalten im Jugendalter aufweisen. Dabei wird zunächst das Ausmaß und Entwicklung des Substanzenkonsums betrachtet, was auf Basis der KFN-Schülerbefragungen 2007/2008, 2013 sowie 2015 möglich ist. Es zeigt sich eine stetige Abnahme im Substanzkonsum, mit Ausnahme des Cannabiskonsums, wo insbesondere der problematische Konsum das Niveau von vor acht Jahren erreicht. Die Längsschnittstudie, die sich auf 1.269 Jugendliche bezieht, die in den Jahren 2009 (siebte Jahrgangsstufe) und 2011 (neunte Jahrgangsstufe) wiederholt an Hannoveraner Schulen befragt wurden, ergibt keinen signifikanten Einfluss des Cannabiskonsums auf die Delikte Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Gewaltverhalten. Hinsichtlich des Alkoholkonsums sind die Ergebnisse der Längsschnittanalyse jedoch eindeutig: Jugendliche, die in der siebten Jahrgangsstufe Alkohol konsumieren, treten in der neunten Jahrgangsstufe signifikant häufiger als Täter von Ladendiebstählen, Sachbeschädigungen und Gewaltverhalten in Erscheinung.
Keywords: Cannabiskonsum, Jugenddelinquenz, Alkoholkonsum, Schülerbefragung, Längsschnittanalyse

 

Schulte, L.: Regulierung des Umgangs mit Cannabis – Sinnvolle Regulierung für Jugendliche und Heranwachsende (S. 332)
Der vorliegende Beitrag betrachtet Kernaspekte einer Liberalisierung im Umgang mit Cannabis. Verschiedene Modelle der Cannabis-Regulierung werden unter anderem in Bezug auf ihre Auswirkungen auf den Schwarzmarkt und den Jugendschutz erläutert. Abschließend werden Faktoren dargestellt, die bei einer Neuregulierung in Deutschland zu berücksichtigen sind.
Keywords: Cannabis, Regulierung, Legalisierung, Jugendliche

 

Kraft, E.-M.: Computerspielabhängigkeit: Einordnung eines Störungsbildes und Ergebnisse einer mehrjährigen Längsschnittstudie (S. 337)
Nach einer kurzen Einführung in die Thematik der Computerspielabhängigkeit, wobei ein besonderer Fokus auf den Bereich der Nosologie und Diagnostik dieser Störung gelegt wird und zwei Fallbeispielen, die theoretischen Erkenntnisse verdeutlichen sollen, werden die wichtigsten Ergebnisse einer Längsschnittstudie zum Thema Computerspielabhängigkeit vorgestellt. Diese Längsschnittstudie wurde im Rahmen des Projektes „Computerspiel- und Internetabhängigkeit – Diagnostik, Äthiopathogenese, Therapie und Prävention” am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zwischen 2011 und 2014 durchgeführt. 70 männliche Probanden wurden über einen Zeitraum von drei Jahren jedes Jahr einmal interviewt.1 Ergebnisse zu den Themen Stabilität der Computerspielabhängigkeit, aber auch Zusammenhänge zwischen Computerspielabhängigkeit und Persönlichkeitsfaktoren sowie komorbide Störungen sollen hier vorgestellt werden. Die aus den Studienergebnissen ableitbaren Implikationen für Wissenschaft und Praxis werden abschließend diskutiert.
Keywords: Computerspielabhängigkeit, Stabilität devianten Verhaltens im jungen Erwachsenenalter, Implikationen für die Beratungspraxis

 

Jukschat, N.: Computerspielabhängigkeit als funktionale Problemlösung: Implikationen für die Praxis (S. 341)
Während Computerspielabhängigkeit im bisherigen wissenschaftlichen Diskurs tendenziell als individuelle Verhaltensweise mit Krankheitswert konzeptualisiert wird, zeigt der vorliegende Beitrag auf, dass abhängiges Computerspielen für die Betroffenen eine subjektiv sinnhafte Antwort auf biografische Problemkonstellationen darstellt. Basierend auf Interviews mit (ehemals) abhängigen Computerspielern und Computerspielerinnen werden aus einer funktionalen Perspektive drei verschiedene biografische Problemkonstellationen rekonstruiert, denen drei verschiedene Typen der Computerspielabhängigkeit entsprechen: 1) (Sehn-)Sucht nach Anerkennung, 2) (Sehn-)Sucht nach Zugehörigkeit und 3) (Sehn-)Sucht nach Autonomie. Dass die Spielerinnen und Spieler innerhalb der und vermittelt durch die Computerspiele die Anerkennung, Zugehörigkeit und Autonomie erfahren, die ihnen im realen Leben verwehrt bleibt, bindet sie an die Spielwelten und trägt wesentlich zur Aufrechterhaltung der Computerspielabhängigkeit bei. Hört das Computerspiel dagegen auf, als Problemlösungsstrategie ‘Sinn zu machen‘ bzw. wird es durch ein realweltliches funktionales Äquivalent ersetzt, fördert dies eine nachhaltige Beendigung der Computerspielabhängigkeit. Diese Erkenntnisse können für die Beratungs- und Therapiearbeit mit Computerspielabhängigen fruchtbar gemacht werden.
Keywords: Typologie Computerspielabhängigkeit, Funktionalität, biografische Problemlösung, qualitative Interviews

 

Musshoff, F., Sachs, H.: Sinnvolle forensisch-toxikologische Untersuchungen bei Bewährungsauflagen unter Berücksichtigung Neuer Psychoaktiver Substanzen (NPS) (S. 345)
Drogenscreenings im Rahmen von Bewährungsauflagen zielen darauf ab, eine stabilisierende Einwirkung auf die Lebensführung zu erreichen und damit in erster Linie der Vermeidung eines Rückfalls vorzubeugen. Die Qualität der Untersuchungen unterscheidet sich dramatisch, dabei sind sie nur bei Beachtung entsprechender Durchführungsbestimmungen (unvorhersehbare, kurzfristige Einbestellung oder Haaranalysen) und Einsatz sensitiver Analyseverfahren gem. den Richtlinien für forensisch-toxikologische Analysen sinnvoll. Studiendaten belegen, dass unter dem Druck einer Abstinenzkontrolle ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Betroffenen auf den Konsum von neuen psychoaktiven Substanzen, insbesondere von synthetischen Cannabinoiden umsteigen. Ist ein sinnvolles Drogenkontrollprogramm politisch gewollt, ist gerade bei jüngeren Personen (zumindest stichprobenartig) auch auf solche Substanzen zu testen.
Keywords: Drogenscreening, synthetische Cannabinoide, Badesalz-Drogen, Neue Psychoaktive Substanzen, Bewährungsauflagen, Fahreignungsdiagnostik

 

Schäffler, F.: Problematisches und pathologisches Glücksspiel im Kontext zugehender Straßensozialarbeit mit Jugendlichen und jungen Heranwachsenden (S. 349)
Das Thema Glücksspiel war und ist in den letzten Jahren in all seinen Facetten zahlreichen Veränderungen unterworfen gewesen. Gesetzliche Grundlagen haben sich verändert, Prävalenzzahlen sind gestiegen und Hilfeangebote wurden modifiziert oder implementiert. Auch die gesellschaftliche Wahrnehmung und der Fachdiskurs zum Thema Glücksspiel waren von diesen Veränderungen in Mitleidenschaft gezogen. Die Aktualität der Thematik bringt es mit sich, dass Glücksspiel noch nicht in all seinen Facetten und nicht konkretisiert auf spezifische Zielgruppen untersucht, dargestellt und diskutiert hat werden können. Ziel der vorliegenden Arbeit war es deshalb, einen Beitrag zu leisten zur Spezifizierung des Themas Glücksspiel, auf die Zielgruppe der jungen Menschen im Allgemeinen und die Klientinnen und Klienten von Jugendstreetwork im Besonderen.
Keywords: Glücksspiel, Straßensozialarbeit, Jugendstreetwork, Suchthilfe

 

WEITERE FACHBEITRÄGE

JUGENDSTRAFRECHT

Klatt, T., Ernst, S., Höynck, T., u.a.: Evaluation des neu eingeführten Jugendarrestes neben zur Bewährung ausgesetzter Jugendstrafe (§ 16a JGG) - Ausgewählte Ergebnisse einer empirischen Studie (S. 354)
In diesem Artikel werden Kernergebnisse der Evaluation des Jugendarrestes neben zur Bewährung ausgesetzter Jugendstrafe (§ 16a JGG) dargestellt. Dabei wird auch auf die im Vorfeld der Einführung des sogenannten „Warnschussarrestes“ geführte Debatte eingegangen. Um die Anwendung, Ausgestaltung und Wirkung des § 16a JGG möglichst umfassend evaluieren zu können, wurden Daten im Rahmen von sechs verschiedenen Projektmodulen erhoben und analysiert: Aktenanalyse, Befragung von Praktikern und Praktikerinnen, Besuche von Jugendarrestanstalten, Befragung von ehemaligen § 16a-Arrestanten und -Arrestantinnen, Analyse von Strafverfolgungsstatistiken und BZR-Daten sowie eine erste Rückfalluntersuchung. In der Zusammenschau der Ergebnisse zeigt sich, dass sich weder die Befürchtungen der Kritiker/innen noch die Hoffnungen der Befürworter/innen des § 16a-Arrestes in besonders hohem Maße realisiert haben.
Keywords: § 16a JGG, Warnschussarrest, Evaluation, Rückfall, Aktenanalyse

 

Gernbeck, U., Hohmann-Fricke, S.: Hat der Warnschussarrest Potential? Hypothesen über Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen des sogenannten Warnschussarrestes auf der Basis der bundesweiten Legalbewährungsuntersuchung (S. 354)
2013 wurde § 16a JGG – besser bekannt als „Warnschussarrest” – eingeführt, der erstmals in der Geschichte des JGG eine Kombination von bedingter Jugendstrafe und Urteilsarrest gestattet.2 Während sich in der Vergangenheit die Verhängung eines Jugendarrests und die Verhängung einer bedingten Jugendstrafe zwingend ausschlossen, ist nunmehr die Kombination dieser beiden Sanktionen in allen denkbaren Ausprägungen (d.h. Kurz-, Freizeit- oder Dauerarrest neben bedingten Jugendstrafen gemäß §§ 21, 27, 61 JGG) möglich. Die Einführung dieser Sanktionsart wurde kontrovers diskutiert. Von den Gegnern wurde zum einen bezweifelt, dass sich unter den Jugendlichen und Heranwachsenden überhaupt eine geeignete Klientel fände, auf die § 16a JGG angewendet werden könne, da die meisten zu Jugendstrafe verurteilten Täter bereits über Hafterfahrung (z.B. bereits verbüßter Jugendarrest oder Untersuchungshaft) verfügen. Zum anderen weisen sie darauf hin, dass der bereits bekannte Jugendarrest nach § 16 JGG höhere Rückfallraten nach sich zieht als alle anderen Zuchtmittel und sogar als eine zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafe und somit eine Inhaftierung von Jugendlichen und Heranwachsenden eher kontraproduktiv zu sein scheint. GERNBECK hat zwischen 2013 und 2015 die Rückfälligkeit nach Warnschussarrest in Baden-Württemberg evaluiert. Dieses Bundesland wurde ausgewählt, weil hier zugleich mit der Einführung des Warnschussarrests eine Umgestaltung des Jugendarrestvollzugs implementiert wurde, die ebenfalls evaluiert wurde. Allerdings liegt dieser Untersuchung ein nur einjähriger Beobachtungszeitrum zugrunde, sodass die Befunde zur Legalbewährung im Vergleich zur bundesweiten Rückfalluntersuchung eine nur begrenzte Aussagekraft haben. Deshalb soll vorliegend eine Analyse der Daten, die aus dem Bundeszentralregister für die Untersuchung zur Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen8 gewonnen werden, vorgenommen werden. Von besonderem Interesse sind dabei folgende Fragen:

  • Wie gestalten sich die Rückfallraten nach Jugendarrest/Jugendstrafe mit Bewährung?
  • Welche potentiellen Kandidaten für Jugendarrest gemäߧ 16a JGG gibt es vor dem Hintergrund des § 16a Abs. 2JGG überhaupt?
  • Erscheint es unter Berücksichtigung der differenziellen Rückfallratensinnvoll, zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafenmit einem freiheitsentziehenden Jugendarrest zu kombinieren?

Keywords: § 16a JGG, „Warnschussarrest”, Legalbewährung nach Jugendstrafe mit Bewährung

 

Endres, J., Nolte, K.: Ethnische und religiöse Minderheiten im Jugendstrafrecht – Unterschiede und Gemeinsamkeiten (S. 368)
Auf der Basis einer umfangreichen Erhebung im Jugendstrafvollzug in Bayern mit 1.626 Fällen werden statistische Kennzahlen über Inhaftierte mit Migrationshintergrund (nach weiter Definition mindestens 57% aller jungen Gefangenen im Zeitraum 2013/2014) sowie speziell für muslimische Inhaftierte (19%) präsentiert. Der Vergleich der Inhaftierten mit Migrationshintergrund mit denen einheimisch-deutscher Herkunft zeigt einige Unterschiede hinsichtlich familiärer und biografischer Merkmale sowie hinsichtlich einzelner Faktoren des Behandlungsbedarfs. Insgesamt aber unterscheiden sich die Gruppen eher wenig und nur punktuell voneinander. Diese Befunde werden in Hinsicht auf erforderliche Behandlungsmaßnahmen diskutiert.
Keywords: Jugendstrafvollzug, Migrationshintergrund, muslimische Jugendliche, Behandlungsbedarf

 

Hinz, S., Meischner-Al-Mousawi, M., Hartenstein, S., Schwarz, M., Boldt, A.: Problemlagen und Behandlungsbedarfe weiblicher Jugendstrafgefangener - Ergebnisse aus dem sächsischen Justizvollzug (S. 376)
Im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Evaluation des Jugendstrafvollzugs erhob der Kriminologische Dienst des Freistaates Sachsen von Juni 2011 bis Juni 2015 systematisch Daten über weibliche Jugendstrafgefangene der Jugendabteilung der Justizvollzugsanstalt Chemnitz. Im vorliegenden Artikel wird die Strafgefangenenpopulation beschrieben: Neben der Darstellung soziodemographischer Angaben, des Bildungsstandes und der Inhaftierungshintergründe werden fachdienstliche Einschätzungen zu persönlicher Entwicklung, Ressourcen und Rückfallgefährdung der Inhaftierten berichtet. Ausgewählte Daten werden mit der Population der männlichen Jugendstrafgefangenen der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen verglichen. Behandlungsbedarfe werden abgeleitet.
Keywords: Jugendstrafvollzug, Jugendstrafgefangene, weibliche Inhaftierte, Rückfallrisiko, Frauenvollzug
Bei diesem Artikel wurden in der Druckversion leider zwei Abbildungen doppelt abgedruckt, weswegen wir Ihnen hier den korrigierten Beitrag als kostenlose pdf-Version zur Verfügung stellen.

 

Kaplan, A., Schneider, L.: Bildung im Zwangskontext – Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie im Jugendarrest (S. 384)
Junge Menschen im Jugendarrest haben ein Recht auf Bildung und Teilhabe, welches durch das SGB VIII normiert wird. Im hier beschriebenen Bildungsprojekt sollte die Machbarkeit der pädagogischen Ausgestaltung des Jugendarrestvollzugs exemplarisch überprüft werden. In dem vorliegenden Beitrag werden die qualitativen Anteile der Begleitforschung zum Projekt vorgestellt und diskutiert, wobei der Fokus auf pädagogische Handlungsmöglichkeiten im Zwangskontext gelegt wird.
Keywords: Jugendarrest, Jugendbildung, Teilhabe, Zwangsbedingungen

 

JUGENDHILFE

Struck, N.: Wird das SGB VIII kaputt reformiert? (S. 390)
Ende September 2016. Noch immer gibt es keinen Referentenentwurf für die beabsichtigte SGB VIII-Reform. Seit dem 23.08.2016 kursiert nun allerdings schon der zweite weit verbreitete Arbeits(vor)entwurf eines „Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen“, der in vollem Umfang die vorgesehenen Änderungen im SGB VIII verdeutlicht und dessen Regelungen zu „Hilfeplanung“ bzw. später „Leistungsplanung“ (§§ 36-36f n.F.) und dessen Neuordnung der Finanzierungsvorschriften (§§ 76a-78g n.F.) völlig klar werden lassen, dass – wenn das auch nur annähernd so in Kraft treten sollte – die Kinder- und Jugendhilfe und speziell die Hilfen zur Erziehung in einer Art umgestülpt und verändert sein werden, die beispiellos ist. „Vom Kind aus denken! Kinder und Jugendliche stärken!“ war das Motto unter das das BMFSFJ den Reformprozess stellen wollte. Heraus gekommen ist bisher: „Vom Budget her denken! Verwaltungen stärken!“ Der Arbeitsentwurf enthält eigentlich zwei Gesetze, eines, das Anfang 2017 in Kraft treten soll, und ein zweites – für die „große Lösung“ – das erst 2023 in Kraft treten soll, damit die Praxis sich auf die neuen Zuständigkeiten einstellen kann.
Keywords: Reform des SGB VIII, Hilfen zur Erziehung

 

Riesner, L.: Die Möglichkeiten und Grenzen der Vorhersage delinquenten Verhaltens anhand von Jugendhilfeunterlagen (S. 395)
Die zuverlässige und möglichst frühzeitige Erkennung von Entwicklungsrisiken bei Kindern und Jugendlichen ist eine wichtige Vorrausetzung für effektive Kriminalprävention. Für eine systematische Erkennung dieser Risiken könnten die in der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) dokumentierten Informationen eine wertvolle Grundlage darstellen. Es ist jedoch fraglich, inwiefern die Aufzeichnungen der KJH zu diesem Zweck als Datengrundlage verwendbar sind, da die Erfassung potenziell relevanter Merkmale zumeist nicht strukturiert stattfindet und der Dokumentationsprozess vielfältigen Einflüssen unterliegt. Die Ziele der vorgestellten Untersuchung waren daher, zunächst zu erforschen, inwiefern Risiko- und Schutzfaktoren für die Delinquenzentwicklung in den Unterlagen der KJH dokumentiert werden und anschließend zu prüfen, inwiefern die dokumentierten Merkmale prognostische Validität für die zukünftige Delinquenz aufweisen. Hierfür wurden die KJH-Unterlagen von 91 männlichen Klienten analysiert und zur Vorhersage offiziell registrierter Straffälligkeit herangezogen. Es zeigte sich, dass die in KJH-Unterlagen erfassten Informationen für die Vorhersage zukünftiger Delinquenz mit einigen gewichtigen Einschränkungen verbunden sind. Dennoch enthalten die Akten Informationen, mit denen sich moderate Vorhersagen späterer Delinquenz erzielen lassen. Vor diesem Hintergrund wird diskutiert, inwiefern die Installation eines systematischen Risiko-Screenings in der KJH hinsichtlich der Entwicklung erheblicher Delinquenz nützlich und durchführbar wäre.
Keywords: Kinder- und Jugendhilfe, Jugendhilfeunterlagen, Risiko-Screenings, Prognose, Delinquenz, Kriminalprävention
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FORUM PRAXIS

Iven, A., Nachbar, K., Tentler, M.: Motivational Guiding mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen (S. 402)
Motivational Guiding (MG) ist ein methodeneklektisches Konzept zur Begleitung und Anleitung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dem Ziel, diese zu Veränderungsprozessen betreffend problematischer Verhaltensweisen zu bewegen. Es werden die wissenschaftlichen Grundlagen des MG dargestellt sowie dessen Anwendung anhand von Praxisbeispielen erläutert.
Keywords: Motivational Interviewing (MI), Transtheoretisches Modell (TTM), Motivational Guiding (MG), intrinsische Motivation, Veränderungsprozess

 

ENTSCHEIDUNGEN ZUM JUGENDSTRAFRECHT

BVerfG – 2 BvR 2503/14 – Beschluss vom 05.10.2015: Obhuts- und Verkehrssicherungspflicht gegenüber einem jugendlichen Untersuchungshäftling; Notwendigkeit besonderer Sicherheitsmaßnahmen; Organisationsverschulden; Schmerzensgeld und Schadensersatz aus Amtshaftung (S. 406)

Jochen Goedeler: Anmerkung zu BVerfG – 2 BvR 2503/14 – Beschluss vom 05.10.2015 (S. 408)

 

BGH – AK 47/07 – Beschluss vom 22.09.2016: Fortdauer der Untersuchungshaft über sechs Monate bei einer Jugendlichen; Haftgründe: dringender Tatverdacht und Schwerkriminalität; Begründung der Ungeeignetheit einer haftvermeidenden Unterbringung (S. 410)

Ulrich Eisenberg, Lara Wolf: Anmerkung zu BGH – AK 47/16 – Beschluss vom 22.09.2016 (S. 412)

 

OLG Koblenz – 1 OLG 3 Ss 189/15 – Beschluss vom 05.01.2016: Revision wegen fehlerhafter Begründung der Annahme schädlicher Neigungen (S. 414)

 

TAGUNGSBERICHTE

Mitzel, W.: Dschihadismus - Tagungsbericht des „Vereins zur Förderung der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe im Saarland e.V.“ am 26. September 2016 in Saarbrücken (S. 415)

Mitzel, W.: „Der ganz normale Wahnsinn ...? Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung junger Menschen – Konsequenzen für die berufliche Praxis“
Tagungsbericht der Landesgruppe Saarland am 20. Juni 2016 in Neunkirchen (S. 417)

 

REZENSIONEN

Kleimann, M.:

Herbert Diemer, Holger Schatz, Bernd-Rüdeger Sonnen
Jugendgerichtsgesetz mit Jugendstrafvollzugsgesetzen - Kommentar

Heribert Ostendorf (Hrsg.)
Jugendgerichtsgesetz – Kommentar (S. 418)

 

DOKUMENTATION

Diskussionspapier der DVJJ zum Thema Arbeitsleistungen (S. 419)

Nachrichten und Mitteilungen (S. 422)

Gesetzgebungsübersicht (S. 424)

Termine (S. 427)

DVJJ-Intern (S. 428)

Kontaktadressen (S. 429)

Impressum (S. 430)

Letzte Änderung dieser Seite: 
03.01.2017

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Ausgabe 4/2016 der ZJJ ist erschienen und dem Schwerpunkt "Sucht und Suchtmittelkonsum" gewidmet. Mehr >>

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