Foren und Arbeitskreise

Forum 1: Was können wir - Handlungsfelder, Perspektiven und Qualitätssicherung

AK 1.1: Grenzen der Erziehung – Intensivtäter außen vor?
AK 1.2: Sparzwang und Kriminalitätsrisiko
AK 1.3: Kommunikation und Kooperation im Jugendstrafverfahren
AK 1.4: Alternativen zur Justiz – Alternativen in der Justiz?
Konfliktbewältigung durch Mediation und Täter-Opfer-Ausgleich im Strafverfahren
AK 1.5: Chancen im Jugendstrafvollzug?
AK 1.6: Ambulante Maßnahmen: Qualität oder Wildwuchs?
AK 1.7: Regionale Bezüge und Spezialisierung in Sozialer Arbeit und Justiz
AK 1.8: Konfliktfeld Schule: zwischen Bildung, Ausgrenzung und Kontrolle

Forum 2: Was wissen wir? – Theorie und Methoden

AK 2.1: Was bringt´s: Stand und Erkenntnisse der Wirkungsforschung
AK 2.2: Neue Rigidität
AK 2.3: Gute Gründe für Reformen im Jugendstrafrecht (!?)
AK 2.4: Diagnostik in der sozialen Arbeit
AK 2.5: Projekt, Konzepte und Methoden: Jugendhilfe und Justiz in der Evaluation
AK 2.6: Soziale Prävention – Kriminalprävention - Sicherheitspolitiken
AK 2.7: Jugendliche zwischen Medienkompetenz und medialer Verwahrlosung
AK 2.8: Die EU-Osterweiterung: Herausforderung für Jugendhilfe und Justiz

Forum 1: Was können wir - Handlungsfelder, Perspektiven und Qualitätssicherung

Leitung: Theresia Höynck, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.

AK 1.1: Grenzen der Erziehung – Intensivtäter außen vor?
Alles hat seine Grenzen! Auch der Erziehungsauftrag des JGG? Er steht jedenfalls erneut in der Diskussion. Das Thema hat in Jugendhilfe, Psychiatrie, Polizei und Justiz neue Brisanz gewonnen. Sowohl für seine Abschaffung, wie auch für seine Einschränkung zugunsten eher strafender und sichernder Aspekte werden unterschiedliche Argumente genannt:
Der Erziehungsanspruch führe häufig nur dazu Jugendliche und Heranwachsende schlechter zu stellen, als sie nach allgemeinem Strafrecht stünden (weniger Einstellungen, mehr U-Haft, schärfere insbesondere freiheitsentziehende Maßnahmen pp.). Bestimmte Tätergruppen seien mit erzieherischen Mitteln nicht erreichbar (z.B. massive Intensivtäter). Das Instrumentarium des JGG/KJHG reiche in der Praxis nicht aus, teils weil entsprechende Angebote sowohl im ambulanten Bereich wie auch bei stationären Maßnahmen (geschlossene Unterbringung, pädagogisch aufgerüsteter Arrest, Einstiegsarrest) fehle oder weil es durch nicht ausreichend qualifizierte Entscheider unangemessen und z.T. erziehungswidrig praktiziert werde. Opferschutz und Schutz der Allgemeinheit erforderten zuweilen eine Orientierung an eher sühnenden und sichernden Aspekten (Anwendung des allgemeinen Strafrechts und Sicherungsverwahrung bei Heranwachsenden).
In dem Arbeitskreis wird es um eine Bestandsaufnahme zu diesen Fragen gehen. Was wissen wir und was können wir (nicht)? Er wendet sich deshalb insb. an die Praktiker im Justizalltag und der Jugendhilfe.

Referenten: OStA Manfred Schweitzer, Staatsanwaltschaft Berlin (angefragt);
Wolfgang Trede, Leiter des Kreisjugendamtes Böblingen;
Leitung: Prof. Dr. Christian von Wolffersdorff, Universität Leipzig.

AK 1.2: Sparzwang und Kriminalitätsrisiko
Not macht erfinderisch, heißt es. Nun sind die öffentlichen Kassen leer. Die Einsparungen bei den Kommunen und Länder treffen die Jugendhilfe besonders deutlich. Auch die Hartz-Pakete haben die Angebote der Jugendhilfe in der Jugendbildungsarbeit eingeschränkt. Die Kürzung von Zuschüssen bedrohen viele Träger der freien Jugendhilfe in ihrer wirtschaftlichen Existenz und haben zu teilweise gravierenden Einschränkung bei den Angeboten der Jugendhilfe geführt. Welche Möglichkeiten bleiben den Richtern – außer Jugendstrafe und Arrest?
Zeiten des Sparens können auch Zeiten der Neuorientierung sein. Die Begrenzung der öffentlichen Mittel macht ein möglichst zielgenaues Arbeiten notwendig. Der Spardiskurs hat so wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der Diagnostik in der Sozialen Arbeit gesetzt. Ebenso macht er die Wichtigkeit von Evaluierungen laufender Projekte und der in der sozialen Arbeit verfolgten Ansätze deutlich.
Die Arbeitsgruppe wird der Frage nachgehen, welche Auswirkungen die Kürzungen im Bereich der Jugendhilfe auf die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen hat. Welche Schwerpunkte müssen in der Jugendarbeit gesetzt werden? Was ist verzichtbar? Wo liegen Sparpotenziale?

Referenten: Prof. Dr. Horst Entorf, TU Darmstadt;
Karin Würden, Leiterin JGH, Stadt Leipzig;
Leitung: DirAG Dagmar Thalmann, Direktorin des AG Müllheim.

AK 1.3: Kommunikation und Kooperation im Jugendstrafverfahren
Das Jugendstrafverfahren ist interdisziplinär und stellt hohe Anforderungen an Kommunikationsfähigkeit und Kooperationskompetenzen bei allen Beteiligten. Der – insbesondere für den betroffenen Jugendlichen – konstruktive Verlauf und Abschluss eines Jugendstrafverfahrens hängt entscheidend von einer gelungen Interaktion der beteiligten Berufsgruppen untereinander und mit dem beschuldigten Jugendlichen ab.
Dies spricht nicht nur das sprachliche Ausdrucksvermögen an, sondern setzt auch soziale Fähigkeit und Einfühlungsvermögen voraus sowie die Kompetenz, die Perspektive der anderen Berufsgruppen akzeptieren und die von ihnen eingebrachte fachliche Sichtweise anerkennen und verstehen zu können. Auch eine angemessene Interpretation des Verhaltens der Jugendlichen, das oft bestimmt ist von Trotz, Ohnmacht und Überforderung, verlangt kommunikative Qualifikationen.
Doch in der Ausbildung der beteiligten Berufsgruppen kommen diese elementaren Kernkompetenzen meist nicht vor. Erschwert wird eine konstruktive Kooperation nicht selten durch gegenseitige Vorbehalte den anderen Professionen gegenüber. Die Referenten werden Strategien einer erfolgreichen Kommunikation und Voraussetzungen einer gelungenen Kooperation darstellen und auch die Frage erörtern, welche Wirkung die Hauptverhandlung erzielen kann.

Referenten: Dr. Gabriele Klocke, Universität Regensburg
Helga Schmitt, JGH, Stadt Freiburg;
Leitung: Prof. Dr. Diethelm Klesczewski, Universität Leipzig.

AK 1.4: Alternativen zur Justiz – Alternativen in der Justiz?
Konfliktbewältigung durch Mediation und Täter-Opfer-Ausgleich im Strafverfahren

Die Mediation floriert – der TOA kommt nicht vom Fleck. Während der Anteil der im Rahmen einer Diversion oder Hauptverhandlung mit einem Täter-Opfer-Ausgleich beendeten Strafverfahren seit Jahren auf niedrigem Niveau stagniert, gewinnt zugleich die Mediation im zivilrechtlichen Bereich zunehmend Raum und erschließt sich neue Betätigungsfelder. Etwa als Konfliktlösungsverfahren in der Schule.
Während in anderen Ländern, beispielsweise in Österreich, die Mediation im Strafverfahren fest verankert ist und umfangreich und professionell praktiziert wird, wird in Deutschland aktuell über den Ausbau von Nebenklage- und Adhäsionsverfahren und deren Einführung im Jugendstrafverfahren diskutiert. Zudem ist durch die Anbindung des TOA an die Diversion bzw. Einstellung die Ansicht, dass sich nur einfache und Fälle leichter Kriminalität für eine Lösung durch Mediation eigneten, zu einem deutschen Dogma geworden. Die Potenziale, die die Mediation als Instrument der Konfliktbearbeitung bietet, bleiben damit zu erheblichen Teilen ungenutzt.
Der Gesetzgeber hat verschiedene Versuche unternommen, den Gedanken dem Schlichtung sowohl im Zivil- wie im Strafverfahren mehr Geltung zu verschaffen. Doch es geht auch um Qualität, Konzepte und Kosten: Wie ist es zu beurteilen, wenn zur Mediation – auch im (Jugend-)Strafverfahren – zunehmend ehrenamtlichen Kräfte und Schüler eingesetzt werden? Wie wirkt es sich auf Rollenverständnis und -wahrnehmung aus, wenn Staatsanwälte und Richter selbst Einigungsversuche unternehmen?

Referenten: Dr. Christa Pelikan, Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Wien;
Gerd Delattre, TOA-Service-Büro, Köln;
Leitung: Prof. Dr. Thomas Trenczek, Mediator, Hannover/Jena.

AK 1.5: Chancen im Jugendstrafvollzug?
Der Strafvollzug ist für die Arbeit mit Jugendlichen ein schwieriges und anspruchsvolles Terrain. Frustrations- und Aggressionspotenziale sind hoch, die Probleme vieler Gefangener enorm und schon die Kommunikation ist in der multikulturellen Gesellschaft hinter Gittern eine Herausforderung.
Dennoch fragt sich, welche Ansätze in der Arbeit mit jungen Gefangenen ihre Chancen auf eine erfolgreiche gesellschaftliche Integration erhöhen. Wie sehen professionelle Standards für Soziale Arbeit im Strafvollzug aus? Welche Arbeitsansätze haben sich bewährt? Welche Rolle spielt eine gute Hilfe- und Vollzugsplanung? Was leisten Diagnostik und Anamnese im Aufnahmeverfahren? Nicht zuletzt wird die Arbeitsgruppe darauf eingehen, welche Rahmenbedingungen das zu erwartende Jugendstrafvollzugsgesetz liefern wird.

Referenten: Christiane Jesse, Leiterin der Jugendanstalt Hameln;
PD Dr. Mechthild Bereswill, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen/University of Roskilde;
Leitung: Dr. Joachim Walter, Leiter der Jugendstrafanstalt Adelsheim.

AK 1.6: Ambulante Maßnahmen: Qualität oder Wildwuchs?
Auch nach fast 15 Jahren ausdrücklicher gesetzlicher Verankerung der ambulanten Maßnahmen in JGG und KJHG ist die Praxis nicht selten eine „black Box“.
Was hat sich unter dem Label ambulante Maßnahme entwickelt: ist es der viel zitierte „Wildwuchs“ oder aber sich stetig weiterentwickelnde Qualität? Vor allem der zunehmende Kostendruck der letzten Jahre, aber auch den ambulanten Maßnahmen kriminalpolitisch kritisch gegenüberstehende Trends haben die Diskussion über die Qualität der Arbeit und deren Vermittlung nach außen verschärft. Adressaten dieser Vermittlung sind neben den betroffenen jungen Menschen vor allem die öffentliche Jugendhilfe, Justiz und Öffentlichkeit. Insbesondere die Justiz ist in spezieller Weise „Kunde“ der ambulanten Maßnahmen - Was kann, was darf sie erwarten?

Referenten: Beate Ulrich, Jugendhilfe WF e.V. Wolfenbüttel;
RiAG Christian Scholz, Amtsgericht Lüneburg;
Leitung: Markus Pelz, Sprungbrett e.V. Hanau.

AK 1.7: Regionale Bezüge und Spezialisierung in Sozialer Arbeit und Justiz
In der sozialen Arbeit spielt der Bezug zum Sozialraum eine zunehmend große Rolle. In vielen Kommunen hat es in der vergangenen Jahren Veränderung in der Organisation und im Zuschnitt der Jugendämter gegeben, oder solche Anpassungen stehen für die Zukunft an.
Auch die Justiz hat ihn zum Teil als Ordnungsschema für die Zuschneidung von Zuständigkeiten erkannt. Vielfach hat sich die Orientierung an Regionalbezügen bewährt; problematisch ist es jedoch, wenn die organisatorische Umsetzung zu einem Verlust an Spezialisierung und spezifischen Fachkenntnissen führt – bspw. wenn zentrale Jugendgerichtshilfen aufgelöst und dem ASD angegliedert werden oder wenn bei Gerichten die Zuständigkeit für Jugendstrafsachen von speziellen Spruchkörpern auf allgemeine Dezernate verteilt wird. Auch aus anderen fachlichen Gründen (bspw. Betreuungskontinuität) muss das Verhältnis von Spezialistentum und Allround-Zuständigkeit neu austariert werden. Auch von den (öffentlichen und freien) Trägern verlangt der Strukturwandel eine Umstellung ihrer Angebotspalette.

Referenten: Prof. Dr. Joachim Merchel, FH Münster/Westfalen;
RiAG Herwart Küsell, Amtsgericht Dortmund;
Leitung: Beatrice Paschke, JGH, Stadt Magdeburg.

AK 1.8: Konfliktfeld Schule: zwischen Bildung, Ausgrenzung und Kontrolle
Mit dem Ziel, Jugendkriminalität zu verringern, werden Schulen zu verstärkter Kooperation mit der Jugendhilfe einerseits und Polizei und Staatsanwaltschaft andererseits angehalten. Unklar bleiben oft die Kompetenzen und Rollen der beteiligten Institutionen: Was erlaubt der Datenschutz? Wie ist der Konflikt zwischen schulischem Bildungsauftrag und dem für die Polizei geltenden Strafverfolgungszwang zu lösen? Welche Beiträge können die Institutionen zur Arbeit mit Jugendlichen leisten und welche Rollen nehmen sie ein?
Die Zusammenhänge zwischen Schule und Jugendkriminalität sind in den letzten Jahren vermehrt in den Blickpunkt geraten: signifikante Korrelationen zwischen häufigem Schwänzen und Straffälligkeit lassen sich nachweisen. Was ist der Beitrag der Schule?
Ebenso zeigen sich Unterschiede in der Kriminalitätsbelastung entlang der Schultypen. PISA hat zugleich schonungslos offen gelegt, dass im dreigliedrigen Schulsystem deutscher Prägung Bildungschancen sozial so ungleich verteilt werden, wie kaum in einem anderen Land Europas. Die Tatsache, dass Haupt- und Sonderschulen ihren Schülern kaum noch Zukunftschancen vermitteln können und sich an ihnen die sozialen Probleme konzentrieren stellt die bisherige Aufgabenverteilung zwischen Jugendhilfe und Schule in Frage.

Referenten: Jutta Roitsch, Journalistin, Bildungsexpertin, Frankfurt/Main;
Prof. Dr. Peter Wetzels, Universität Hamburg;
Dr. Michael Franzke, Zukunftswerkstatt e.V. Leipzig;
Leitung: Prof. Dr. Britta Bannenberg, Universität Bielefeld.

Forum 2: Was wissen wir? – Theorie und Methoden

Leitung: Prof. Dr. Arthur Kreuzer, Universität Gießen

AK 2.1: Was bringt´s: Stand und Erkenntnisse der Wirkungsforschung
Es geht um unser Handwerkszeug. Rationale Kriminalpolitik und effektive Präventionsarbeit erfordern Wissen über die Wirkungen, die die eingesetzten Sanktionen und praktizierten Ansätze in der Jugendarbeit erreichen können. Während in den USA und Großbritannien die sozialwissenschaftliche Forschung über die Wirkungen von Präventionsansätzen, Jugendhilfeangeboten und strafrechtlichen Sanktionsinstrumenten längst etabliert ist, steht man in Deutschland noch am Anfang. Der Arbeitskreis wird der Frage nachgehen, welche Ergebnisse die Wirkungsforschung im anglo-amerikanischen Raum und in Deutschland hervorgebracht hat. Der Sherman-Report und das Düsseldorfer Gutachten werden vorgestellt und analysiert. Er wird versuchen, die Frage zu beantworten, welche Ansätze in Jugendarbeit und Kriminalpolitik als wirksam, vielversprechend oder untauglich beurteilt werden können und welche Schlussfolgerungen für Strafverfolgung, Jugendarbeit und Präventionskonzeptionen daraus gezogen werden können.
Der Arbeitskreis richtet sich an Justizpraktiker, Mitarbeiter der Jugend- und Ordnungsämter, Polizeipraktiker und andere, die mit Prävention beschäftigt sind.

Referenten: Prof. Dr. Dieter Rössner, Universität Marburg;
Prof. Dr. Karl Schumann, Universität Bremen;
Leitung: Olaf Emig, JGH Bremen.

AK 2.2: Neue Rigidität
Das Klima wird rauer, die Gangart schärfer: Auch in der Praxis der Jugendhilfe und Justiz hat sich in den letzten Jahren eine repressivere Tendenz abgezeichnet – oftmals ganz im Gegensatz zur Selbstwahrnehmung der Akteure. So gibt es u.a. Indizien, dass die Gerichte häufiger von freiheitsentziehenden Sanktionen Gebrauch machen und die Dauer des im Urteil ausgesprochenen wie des vollzogenen Freiheitsentzuges in der letzten Dekade zugenommen haben. Die notorische Überbelegung der Gefängnisse gibt hiervon ein beredtes Zeugnis. In der Jugendhilfe zeichnet sich eine Renaissance der geschlossenen Unterbringung ab.
Diese Tendenzen scheinen zu Lasten der ambulanten und sozialpädagogisch ausgerichteten Rechtsfolgen zu gehen. Tatsächlich trifft dies aber vor allem bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu, während ambulante Maßnahmen bei deutschen Jugendliche zunehmend angewendet werden.
Gibt es einen allgemeinen Trend zu mehr Härte? Woher kommt die zutage tretende Affinität zum Strafen? Wie verändert der Zeitgeist die Praxis in Justiz und Jugendhilfe? Die Arbeitsgruppe geht den Gründen nach und wird sich mit Handlungsoptionen im Umgang mit dieser Herausforderung befassen.

Referenten: Prof. Dr. Helga Cremer-Schäfer, Universität Frankfurt am Main;
Prof. Dr. Michael Lindenberg, Fachhochschule im Rauen Haus, Hamburg;
Leitung: Prof. Dr. Franz Streng, Universität Erlangen-Nürnberg.


AK 2.3: Gute Gründe für Reformen im Jugendstrafrecht (!?)
Die Jugendkriminalität und insbesondere die Gewalttaten sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Trotzdem ist das Jugendstrafrecht ist in der Diskussion. Schon 1990 hat der Gesetzgeber bei der Verabschiedung des 1. JGG-Änderungsgesetz die weitere Reformbedürftigkeit in der Gesetzesbegründung ausdrücklich festgestellt. Die 2. Jugendstrafrechtreform-Kommission der DVJJ wie auch der 64. Deutsche Juristentag haben Reform-Impulse gesetzt. Eine Vielzahl von Gesetzesinitiativen aus den Bundesländern haben sich seither dem Thema „Jugendkriminalität“ gewidmet.
Gestritten wird über die Behandlung der Heranwachsenden, die Stellung der Opfer im Strafverfahren soll verbessert werden, der Warnschussarrest eingeführt werden. Während die einen eine Ausweitung des repressiven Sanktionsspektrums propagieren, sehen die anderen mit Besorgnis die unproportionale Zunahme bei den Inhaftierungsraten. Auch der Erziehungsgedanke wird zur Diskussion gestellt.
Die Arbeitsgruppe wird die zur Zeit weit auseinanderliegenden Zielvorstellungen und Reformvorhaben diskutieren und bewerten. Sie wird aus ihrer Sicht eine Einschätzung abgeben, wo aus Sicht der Praxis Reformbedarf besteht.

Referenten: Staatsminister Dr. Thomas de Maizière, Justizminister des Landes Sachsen;
RA Lukas Pieplow, Köln;
Leitung: Ministerialdirigent Prof. Horst Viehmann, Universität Köln.

AK 2.4: Diagnostik in der sozialen Arbeit
Mit Diagnostik verbindet sich die Hoffnung, die Qualität sozialer Arbeit durch eine methodisch fundierte Erhebung und zielgenauere Angebote steigern zu können. Ebenso ist mit ihnen die Hoffnung verbunden, die beschränkten Mittel, die der sozialen Arbeit zur Verfügung stehen, wirkungsvoller einsetzen zu können. Und schließlich sollten die Diagnosen, die durch die JGH in das Jugendstrafverfahren eingebracht werden, auch eine gewichtige Rolle bei der Bestimmung der Rechtsfolgen durch das Jugendgericht spielen. Die Referenten vertreten zwei Ansätze in diesem Bereich: die Methode der sozialpädagogischen Diagnosen und die psychosoziale Diagnostik.

Referenten: Prof. Dr. Thomas Fabian, HTWK Leipzig;
Dipl. päd. Dr. Uwe Uhlendorff, Universität Kassel;
Leitung: Prof. Dr. Hans-Joachim Plewig, Universität Lüneburg.

AK 2.5: Projekt, Konzepte und Methoden: Jugendhilfe und Justiz in der Evaluation
Evaluation erscheint oft als ein unproduktives und kostenträchtiges Anhängsel vieler Projekte, mithin als entbehrlich. Aber ohne Evaluation ist die Praxis blind. Was nicht methodisch akzeptabel evaluiert ist, kann keine zuverlässige Aussage über Erfolge geben. Gute Evaluation zahlt sich in mehrfacher Hinsicht aus:
- Für den handelnden Praktiker selbst – ob Sozialarbeiter, Polizist oder Jugendrichter - ist das Feedback über die Wirkungen seiner Arbeit Bestätigung, Ansporn für Neujustierung und Voraussetzung für Verbesserungen.
- Unser Rechtssystem verlangt eine Legitimation von Grundrechtseingriffen: diese müssen zumindest zur Erreichung des gesetzlich vorgegebenen Zwecks geeignet sein. Dies verlangt von Maßnahmen und Sanktionen des Jugendstrafrechts, dass sie tatsächlich einen Beitrag zum Erziehungsziel des Jugendstrafrechts leisten können.
- Gerade in Zeiten mit knapper werdenden Mitteln ist eine transparente und zuverlässige Erfolgsbeurteilung von entscheidender Bedeutung für die Zukunft von Projekten und Methoden.
Der Arbeitskreis wird sich mit den Möglichkeiten, Notwendigkeiten und Methoden zur Selbst- und Fremdevaluation befassen.

Referenten: Prof. Dr. Hiltrud von Spiegel, FH Münster/Westfalen;
KOK Jochen Dose, LKA Berlin;
Leitung: Dr. Regine Drewniak, Sozialwissenschaftlerin, Hannover.

AK 2.6: Soziale Prävention – Kriminalprävention - Sicherheitspolitiken
Die Überlegung, dass es besser ist, die Begehung einer Straftat zu verhindern, als den Täter anschließend zu bestrafen, ist vermutlich so alt wie das Strafrecht. Prävention ist in den letzten Jahren zu dem beherrschenden Ansatz der Kriminalpolitik geworden. Aber nicht alles, was unter dem Stichwort Prävention firmiert, ist wirklich sinnvoll. Problematisch ist der Präventionsansatz auch dort, wo er Strukturprinzipien der Rechtsstaatlichkeit – Gewaltenteilung, klare Aufgabenbeschreibungen und Eingriffsbenennungen – schleichend unterminiert. Dabei gibt es durchaus hoffnungsvolle Ansätze.
Der Arbeitskreis befasst sich mit Methoden, Ansätzen und rechtsstaatlichen Grenzen der Kriminalprävention und der Rolle der Akteure.

Referenten: Dr. Siegfried Haller, Jugendamtsleiter, Stadt Leipzig;
Prof. Dr. Michael Walter, Universität Köln, Vorsitzender des Landespräventionsrates NRW;
Leitung: Werner Kunath, Hamburg.

AK 2.7: Jugendliche zwischen Medienkompetenz und medialer Verwahrlosung
Im Umgang mit Fernsehen und „Neuen Medien“ unterscheidet sich die heutige Jugend grundlegend von der Generation ihrer Eltern. Schon Kinder können mit Computern umgehen und lernen spielend, sich im World Wide Web zurechtzufinden. Dieser – scheinbare – Zuwachs an Medienkompetenz birgt jedoch auch Gefahren in sich: Untersuchungen zum Medienkonsum deuten darauf hin, dass seit Mitte der 80er-Jahre deutlich mehr Kinder und Jugendliche über eigene Fernsehgeräte, Computer und Spielkonsolen verfügen und der von den Eltern nicht kontrollierte Konsum von Gewalt- und Actionsendungen und –spielen vor allem bei den Jungen stetig zugenommen hat. Besteht ein Zusammenhang mit der Verschlechterung der schulischen Leistungen, die in diesem Zeitraum bei Jungen beobachtet wird?
Es gibt Vermutungen, dass gerade bei Kindern und Jugendlichen die durch Gewalt- und Porno-Szenen hervorgerufene emotionale Erregung Schlafqualität und Gedächtnisleistungen beeinträchtigen.
Einen erheblichen Teil ihrer Freizeit – mehrere Stunden täglich – verbringen Jugendliche mit Fernsehen und Computerspielen – Zeit die für andere Aktivitäten nicht mehr zu Verfügung steht. Der Arbeitskreis wird sich der Frage widmen, welche Auswirkungen die zunehmende Medienverfügbarkeit auf Entwicklungsprozesse und Sozialisation von Jugendlichen hat. Was bedeutet der Befund für die Soziale Arbeit mit Jugendlichen? Wie kann die Kompetenz der Kinder und Jugendlichen im Umgang mit den neuen Medien gestärkt werden?

Referenten: Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V.;
Prof. Dr. Henning Scheich, Wiss. Direktor des Leibnitz-Instituts für Neurobiologie, Magdeburg;
Leitung: Claudia Sanders, Journalistin, Deutschlandradio.

AK 2.8: Die EU-Osterweiterung: Herausforderung für Jugendhilfe und Justiz
Zum 1. Mai 2004 wird ein neues Kapitel in der Europäischen Integration aufgeschlagen: zehn neue Beitrittsländer werden Mitglied der Europäischen Union. Unter ihnen sind unsere östlichen Nachbarn Polen und Tschechische Republik. Die neue Durchlässigkeit der Grenzen schafft die Möglichkeit, dass sich die nachbarschaftlichen Beziehungen in den Grenzregionen weiter vertiefen. Schon deshalb macht ein Blick über die Grenzen neugierig.
Wie immer, wenn die zwischenstaatliche Mobilität zunimmt, werden auch die grenzüberschreitenden Problemfälle zunehmen. Auch deshalb stellen sich neue Herausforderungen zur Kooperation an die Institutionen der Jugendhilfe und Justiz. Wird das Wohlstandsgefälle zu einer Zunahme der (Jugend-)Kriminalität in den deutschen Grenzregionen führen?
Der Arbeitskreis wird die Situation Jugendlicher in den drei Grenzländern beleuchten und sich mit den Institutionen der Jugendarbeit und dem geltenden Jugendrecht befassen. Er wird bestehende grenzüberschreitende Modellprojekte der Jugendarbeit vorstellen und diskutieren, welche Potenziale der Kooperation noch ausgeschöpft.

Referenten: Prof. Dr. Helena Válková, Tschechische Republik;
Prof. Dr. Erika Steinert, Hochschule Zittau/Görlitz, Projekt Grenzüberschreitende Vernetzung sozialer Arbeit in der Euroregion Neiße, (GÜSA);
Leitung: Prof. Dr. Frieder Dünkel, Universität Greifswald.

+++ 4. Bundeskongress - "Flucht nach vorne" +++

Vom 19. bis 21.09.2018 findet der 4. Bundeskongress der Jugendhilfe im Strafverfahren und der ambulanten sozialpädagogischen Angebote für straffällig gewordene junge Menschen unter dem Titel "Flucht nach vorne" in Bad Kissingen statt. Nähere Informationen zum Inhalt und zur Anmeldung finden Sie hier.

26. JGT 2004

26. Jugendgerichtstage

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend