Ergebnisse der Arbeitskreise 9 bis 17

AK 9: Kriminalität im Lebenslauf
Aus der Erkenntnis, dass Jugenddelinquenz einerseits ubiquitär, alterstypisch und i.d.R. vorübergehend ist, während andererseits eine kleine Gruppe hochbelasteter Straftäter für einen Großteil der Taten verantwortlich ist, wurde die Figur des "life time persistent offenders", also des lebenslänglich delinquent bleibenden Täters entwickelt. So entstand die gedankliche Grundlage für den Intensivtäter. Die konzeptionellen Schlussfolgerungen lagen auf der Hand: während man bei typischer Jugendkriminalität Milde walten lassen kann (und soll), müssen sich alle Bemühungen darauf konzentrieren, den lebenslang kriminell bleibenden Täter zu identifizieren und hart zu sanktionieren.
Nun geben aktuelle Erkenntnisse der kriminologischen Längsschnittforschung Hinweise darauf, dass auch bei Intensivtätern Ausstiege aus der "Karriere" wahrscheinlicher als deren stabile Fortführung sind und dass die aktuelle Einbindung in die informelle Sozialkontrolle eine der stärksten Einflussgrößen auf delinquente Lebensphasen ist.
Welche Schlussfolgerungen sind daraus für die Praxis der Jugendgerichte und -staatsanwaltschaften, der Jugendhilfe und für die Entwicklung von Intensivtäter-Konzepten zu ziehen?

Prof. Dr. Karin Schleider & Dipl. Päd. Pascal Fischer, Pädagogische Hochschule Freiburg
Abstract
Gegenstand des Forschungsprojektes ist das Selbstkonzept von Jugendlichen mit Störungen des Sozialverhaltens (inkl. Delinquenz) unter besonderer Berücksichtigung geschlechts- und altersspezifischer Aspekte. Das Selbstkonzept wird verstanden als eine durch Interaktion mit der sozialen Umgebung gebildete mentale, dynamische Struktur, die inter- und intrapersonale Verhaltensweisen und Prozesse motiviert, vermittelt und reguliert. Dabei werden fünf bipolare Dimensionen unterschieden: (a) Ich-Stärke - Unsicherheit, (b) Attraktivität - Marginalität, (c) Vertrauen - Zurückhaltung, (d) Ordnungsliebe - Sorglosigkeit und (e) Durchsetzung Kooperation.
(1) Einführend werden Problemstellung, Forschungsstand sowie der eigene Ansatz und die Vorarbeiten skizziert. Nach (2) Ableitung der Fragestellung folgen Ausführungen zum (3) methodischen Vorgehen. Im nächsten Schritt werden (4) erste Ergebnisse zum Selbstkonzept unter Berücksichtigung von Stichprobe, Geschlecht und Alter dargestellt sowie mögliche Konsequenzen für eine Prävention und Intervention von Störungen des Sozialverhaltens bei Kindern und Jugendlichen diskutiert. Praxisrelevante Aspekte bilden dabei: die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen in Jugendhilfe, Jugendarbeit und Jugendstrafvollzug sowie in Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie und -psychotherapie.

Prof. Dr. Klaus Boers, Institut für Kriminalwissenschaften, Universität Münster
Abstract
In den achtziger und neunziger Jahren hatte die Annahme, dass die kleine Gruppe der Intensivtäter schon früh auffällig werde und sehr lang, wenn nicht lebenslang einem delinquenten und devianten Verhaltensstil folge, vor allem in der angloamerikanischen Wissenschaft und Praxis einen großen Einfluss gewonnen. Nicht zuletzt erhoffte man sich durch repressive oder präventive Maßnahmen gegenüber diesen Tätern eine deutliche Reduktion der (schweren) Kriminalität. Man verfügte damals allerdings noch nicht über hinreichend verlässliche Datensätze und Verlaufsanalysen. Neue amerikanische und deutsche mit Hell- wie Dunkelfeldverläufen durchgeführte Längsschnittstudien deuten nun darauf hin, dass man statt von lebenslanger Persistenz eher von Abbruchprozessen auszugehen hat. Zudem zeigt sich, dass selbst frühe dissoziale oder delinquente Auffälligkeiten prognostisch weit weniger bedeutsam sind als dies bisher angenommen wurde, und dass formelle Sanktionierungen eine erhöhte Delinquenz nach sich ziehen. Die Befunde werden im jeweiligen konzeptionellen Kontext der persönlichkeitsorientierten bzw. soziologischen kriminologischen Längsschnittforschung diskutiert.

Leitung: Dr. Ruth Linssen, Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Brühl

AK 10: Mehrfach- und Intensivtäter - Schwierige Jugendliche, Jugendliche mit Schwierigkeiten
Wer kennt sie nicht, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in schwere "Karrieren" abdriften (und oft schon als Kinder einschlägig bekannt sind)? Die über lange Zeiträume oder innerhalb kurzer Zeit mit einer Vielzahl von Straftaten auffällig werden und bei denen Hopfen und Malz von Fördern und Fordern verloren erscheinen? Die dann später ins Erwachsenenstrafrecht durchgereicht werden - oder plötzlich und unerwartet durch Anschluss an Normalität überraschen? In den unterschiedlichsten Etikettierungen dieser Problemtäter scheint sich auch etwas von unserer Hilflosigkeit im Zugang zu ihnen und ihren Problemen wider zu spiegeln. Sie stehen in besonderer Weise in der Gefahr fallengelassen zu werden.
Hilft der (rechtzeitige) Schuss vor den Bug? Gibt es erfolgreiche Konzepte der Intervention und wo sollten diese ansetzen? Der Arbeitskreis befasst sich mit polizeilichen, justiziellen und Jugendhilfekonzepten und Sichtweisen zu dieser Herausforderung des Jugendstrafrechts.

Jürgen Schendel, Stiftung SPI, Clearingstelle Polizei-Sozialarbeit, Berlin
Abstract
Die in Berlin seit 2003 andauernde Diskussion über den Umgang mit Mehrfach- und Intensivtätern und die veränderten Verfahrensweisen bei Polizei und Staatsanwaltschaft haben einige Neuerungen für viele Akteure in den Bereichen Jugendhilfe, Bildung und Jugendstrafrechtspflege mit sich gebracht. Am Berliner Beispiel soll nachgezeichnet werden, wie sich diese Veränderungen auf die „Kultur der Kooperation“ (26. Dt. JGT) ausgewirkt haben. Es soll dargestellt werden, welche Verbesserungen eingetreten sind, welche offenen „Baustellen“ es in der Kooperation noch gibt und welche Schlussfolgerungen aus der Diskussion über den Umgang mit Intensivtätern für die Präventionsarbeit insgesamt gezogen werden können.

Bernd Holthusen, Deutsches Jugendinstitut, München
Abstract
Probleme und Chancen Institutionen übergreifender, Fall bezogener Kooperation: Auf dem letzten Jugendgerichtstag in Leipzig wurde in Bezug auf jugendliche Mehrfach- und Intensivtäter eine „Kultur der Kooperation“ zwischen dem beteiligten Institutionen und Hilfesystemen gefordert und die Kooperation „als zentrales Element aller gelingender Maßnahmen“ herausgestellt. Wie sieht aber die Praxis der Kooperation zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Schule, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Polizei sowie Jugend- und Familiengerichten konkret gerade in den sehr schwierigen Fällen von vielfach auffälligen Kindern und Jugendlichen aus? Wo liegen die Probleme der Kooperation und was kann aus ihnen gelernt? Welche Weiterentwicklungen sind chancenreich? Diesen Fragen ist die wissenschaftliche Begleitung eines Modellprojektes in Schleswig-Holstein nachgegangen, dessen empirische Ergebnisse vorgestellt werden.

Leitung: Karin Würden, Jugendamt Stadt Leipzig

AK 11: Sicherheits-Politiken: Beiträge der Familien-, Jugend- und Sozialpolitik zur Sicherheit
Die Reaktionen auf abweichendes/straffälliges Verhalten von jungen Menschen sind vielfach geprägt von einem strafrechtlichen Blick (Kriminalprävention; geschlossene Heimunterbringung; Programme gegen "Intensivtäter" usw.) Die Betroffenen gelten als Störer der "Inneren Sicherheit". Das hat unter anderem zu einem massiven Ausbau polizeilicher Aktivitäten geführt. Dies beschränkt vorbeugende und eingreifende Maßnahmen auf den Vorwurf, individuell gegen Normen verstoßen zu haben und dafür zur Verantwortung gezogen werden zu müssen. Dieser Blick verhindert eine realitätsbezogene Perspektive. Nur eine integrierte Sicherheitspolitik, die Familien- Jugend-, Sozial- und Innenpolitik miteinander verknüpft, kann auf die strukturellen und individuellen Problemlagen angemessen gestaltend eingehen. Beispielhaft für die Diskussion eignet sich das Modell-Projekt des Hamburger Senates "Lebenswerte Stadt". Mit 90 Millionen Euro sollen benachteiligte Stadtteile gefördert werden. Dazu zählen Investitionen in (Ganztags-) Schulen und die Vernetzung der Hilfsangebote in Stadtteilen. Stichworte sind Familien- und Quartiersoffensiven. Zu den Themen gehören die Armut und Integration Zugewanderter. Ziel des AKs ist es, die integrierte Sichtweise anhand der Aufgaben der einzelnen Politikfelder zu erarbeiten, dabei aber nicht unterschiedliche Denk- und Handlungslogiken zu übersehen. Die jeweiligen Aufgaben und Verbundmöglichkeiten sollen als Kriterienkatalog für konkrete Projekte und allgemeine Forderungen dienen.

Dr. Bernhard Crasmöller, Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg, Amt für Familie, Jugend und Sozialordnung
Abstract
Bildungs-, Jugend- und Familienpolitik geschieht (auch) vor Ort, auf kommunaler Ebene, wo die Stärken und Schwächen ihrer institutionellen Eigenständigkeit deutlich werden. Durch Integration und Vernetzung, durch stärkere Gemeinwesenorientierung, durch spezifische Maßnahmen für belastete Quartiere kann die soziale Infrastruktur so umgestaltet werden, dass sie Benachteiligungen junger Menschen besser ausgleichen kann. Gezieltere Förderung der Erziehungskompetenz von Eltern, Erhöhung der Bildungschancen für benachteiligte Jugendliche und die Stärkung der informellen Ressourcen belasteter Quartiere sind einige Teilziele, die darüber hinaus Beiträge zur Minderung von Jugendkriminalität erwarten lassen. Dies wird am Beispiel Hamburg und konkreter Projekte vorgestellt. Es wird begründet, warum es sinnvoll ist, einer solchen lokalen Sozialpolitik mehr Aufmerksamkeit zu schenken - nicht aber, sie in einen sicherheitspolitischen Gesamtrahmen einzubetten.

Leitung: Prof. Dr. Hans-Joachim Plewig, Universität Lüneburg

AK 12: Was tun mit dem Opfer?
Das Strafrecht orientiert sich " zwangsläufig? " primär am Beschuldigten, dem eine Straftat vorgeworfen wird. Doch was ist mit dem Opfer der Straftat? In Österreich, der Schweiz und in Deutschland wird diskutiert, wie die Stellung von Verbrechensopfern verbessert und mit der besonderen Ausrichtung des Jugendstrafrechts austariert werden kann. In Deutschland wurde kürzlich durch das 2. Justizmodernisierungsgesetz die Nebenklage für bestimmte Fälle ins JGG eingeführt. Doch entspricht die aktive Prozessbeteiligung tatsächlich den berechtigten Interessen der Verletzten? Oder ist es wichtiger, die Unterstützung jenseits des Strafverfahrens auszubauen? Werden (vermeintliche) Opferinteressen in der Diskussion um das Strafrecht gar für andere (Verschärfungs-) Interessen instrumentalisiert?
In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt seit einigen Jahren Opferschutzgesetze, nach denen insbesondere bei häuslicher Gewalt der Gewalttäter bereits von der Polizei der gemeinsamen Wohnung verwiesen und ihm der Kontakt zum Verletzten untersagt werden kann. Welche Erfahrungen wurde mit diesen Möglichkeiten gemacht? Wie muss die Situation weiter verbessert werden?

Prof. Dr. Udo Jesionek, Präsident des Weißen Rings Österreich, Wien
Abstract
Auch das österreichische Strafrecht hat erst in den letzten Jahren das Verbrechensopfer als selbstständige Prozesspartei anerkannt, das nicht nur auf seine Rolle als Geschädigter oder Verletzter und Träger privatrechtlicher Ansprüche reduziert bleibt, sondern selbstständiger Träger von Schutz-, Informations-, Mitwirkungs-, Kontroll- und Rechtsmittelrechten geworden ist. Dieser Paradigmenwechsel ist sukzessive eingetreten und wird in seinem vollen Umfang am 1. Januar 2008 Teil der österreichischen Strafrechtsordnung sein. Dabei macht das österreichische Strafrecht und Strafprozessrecht in diesem Bereich nur ganz marginale Unterschiede zwischen dem Strafverfahren gegen Erwachsene und dem Jugendstrafverfahren, im Wesentlichen hat das Opfer, zumindest künftig, auch im Jugendstrafverfahren alle wesentlichen Parteienrechte. Das Referat wird sich primär mit diesen Rechten befassen, am Rande aber auch einige besondere aktuelle Probleme der Täter-Opfer-Beziehung im Jugendrecht berühren.

Dr. Theresia Höynck, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Hannover
Abstract
Die Rolle des Opfers im deutschen Jugendstrafverfahren wird kontrovers diskutiert. Die schon im allgemeinen Strafrecht schwierige Frage einer angemessenen Berücksichtigung von Opferbelangen in einem letztlich auf den Beschuldigten ausgerichteten Verfahren stellt sich im JGG unter dem Gesichtspunkt des Erziehungsgedankens in zugespitzter Weise. Das Referat wird die aktuelle Debatte und Rechtslage darstellen und dabei die Folgen vor allem der jüngsten Änderungen des JGG für die Praxis aufgreifen. In Bezug auf die Ausweitung formaler Verfahrensrechte von Opfern wird eine kritische Position vertreten, gleichzeitig aber eine nachhaltige Verbesserung des Umgangs mit Opfern durch das Strafrechtssystem gefordert.

Caroline Engel
, Rechtsanwältin, Kloten
Abstract
Anhand des revidierten Schweizerischen Jugendstrafgesetzes, des Schweizerischen Opferhilfegesetzes und einer kantonalen Strafprozessordnung soll aufgezeigt werden, welche Rechte und Pflichten Opfer in Strafverfahren gegen Jugendliche haben. Das Schweizerische Jugendstrafrecht ist in erster Linie ein Erziehungsstrafrecht. Im Schwerpunkt ist daher auch die Frage zu behandeln, welche konkrete Bedeutung dem Opferschutz im Spannungsfeld zwischen Erziehen und Strafen von jungendlichen Tätern zukommt. Dabei soll nicht nur der Stellung des Opfers im Strafverfahren, sondern auch jene des jugendlichen Delinquenten berücksichtigt werden.

Leitung: Susanne Zinke, Sozialarbeiterin, Stadt Kassel

AK 13: Junge Sexualstraftäter
Der klassische Ansatz des Jugendschutzes, der Kinder und Jugendliche vor pornografischen und besonders gewalttätigen Darstellungen durch Verkaufs- und Verbreitungsverbote schützen wollte, läuft inzwischen ins Leere: pornografische Darstellungen aller Art und Güte sind über das Internet beinahe unbegrenzt und scheinbar unkontrollierbar auch für Kinder und Jugendliche erreichbar. Sexualisierte Darstellungen - auch in der Musik, in Fernsehsendungen und Magazinen - prägen zu einem erheblichen Teil die heutige Jugendkultur.
Der Arbeitskreis erörtert die Frage, welche Folgen diese ständige Präsenz sexueller Tabubrüche für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, für ihr Bild vom anderen Geschlecht, von der eigenen Sexualität und für den Umgang miteinander haben kann. Es wird erörtert, ob die Situation auch zu einer erhöhten Auffälligkeit von sexueller Delinquenz geführt hat.
Wie sollen sich Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen gegenüber sexualisiertem Verhalten und Grenzüberschreitungen verhalten? Gibt es Erfolg versprechende Behandlungskonzepte für übergriffige oder sich selbstverletzende Jugendliche? Vor welchen Herausforderungen stehen Polizei und Justiz?

PD Dr. med. Peer Briken
, Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Abstract
Internationale Studien über jugendliche Sexualstraftäter geben relativ niedrige einschlägige aber hohe Rückfallraten mit nicht-sexuellen Delikten an. Nach bisherigen Forschungsergebnissen herrscht Konsens darüber, dass bei jugendlichen Sexualstraftätern andere Risikofaktoren vorliegen als bei erwachsenen Tätern, obwohl es natürlich Überschneidungen gibt. Zur Rückfälligkeit jugendlicher Sexualstraftäter nach einer Behandlung gibt es bisher wenige Untersuchungen. Nach einem Überblick über den gegenwärtigen Forschungsstand soll das Hamburger Modellprojekt „Jugendliche Sexual(straf)täter“ vorgestellt werden.

Peter Wanke, Verein Limes - ambulante Behandlung jugendlicher Sexualstraftäter, Wien
Abstract
Jugendliche und sexuelle Straftaten heißt - Jungenstraftaten. Daher werde ich meine Ausführungen männlichen Jugendlichen widmen und mich auf ihre Welt und damit verbundene Besonderheiten konzentrieren. Es sollen Ergebnisse aus der Arbeit mit jugendlichen Sexualstraftätern vorgestellt werden. Und ich möchte auf das Phänomen der technischen Medien eingehen, wie Internet, PC-Spiele und Handynutzung, speziell aber Kinderpornographie. Die vorgestellten Blitzlichter werden per se keine Probleme lösen, stellen aber wichtige Fakten dar, die Ihnen, so hoffe ich zumindest, helfen können Ihre Thesen zu bilden und eigene Antworten und Erklärungen zu finden.
Jungen im Leben:
Sie zeigen ein ausgeprägtes Risikoverhalten, das an einigen Beispielen erläutert wird.
Als wichtige beitragende Faktoren möchte ich die Sozialisation und die Umwälzungen in der männlichen Pubertät festhalten.
LIMES - empirische Daten
Solche Jungen - und ihre Straffälligkeit zeigt, dass sie zusätzlich spezielle Probleme haben - kommen seit über zehn Jahren zu LIMES, einem ambulanten Behandlungsprogramm für jugendliche Sexualstraftäter.
Im Vortrag sollen Ergebnisse aus der Arbeit näher vorgestellt werden.
Internet - Kinderpornos - PC Spiele
Die virtuelle Welt bringt Phänomene zu Tage, mit denen wir Erwachsenen, privat und auch im professionellen Kontext oft überfordert sind. Nicht nur die Technik übersteigt in der Schnelllebigkeit und Jugendlichkeit das Mithaltevermögen, auch die Angebote, derzeit aktuell ist z.B. "Second Life".
Dieses Nachhinken zeigt sich auch in der Gesetzgebung, der Verhütung von kriminellen Aspekten und dem Schutz der Kinder und Jugendlichen.
Die Bandbreite dieses Mediums, mit dem Menschen aller Altersstufen konfrontiert sind, ist so weit, dass ich lediglich einige Beispiele von möglichen Grenzverletzungen, bei der Grauzone beginnend, bis zu Extremfällen aufzeigen möchte.
In der Behandlung von straffällig gewordenen Jugendlichen mit meist defizitären Zuschreibungen sehe ich es als meine Hauptaufgabe an, sie zu jungen Männern zu machen mit
-Einem Wissen über ihre Ressourcen
-Stärken, in Form von Selbstwert und Selbstsicherheit
-Reflexionsfähigkeit und kritischem Intellekt
-Einem Bewusstsein für gesellschaftliche Normen, sowie gesetzliche und menschliche Grenzen
Wenn das gelingt, dann ist das Lied: "neue Männer braucht das Land" überflüssig.

Leitung: Prof. Dr. Heinz Schöch, Universität München

AK 14: Nachbarschaftliche und europäische Impulse für das Jugendstrafrecht
Europa rückt zusammen. Für das allgemeine Strafrecht werden schon von verschiedenen Institutionen Gemeinsamkeiten und europäische Standards ausgelotet. Auch die Behandlung von Jugenddelinquenz wird zunehmend unter europäischen Gesichtspunkten betrachtet. Mit den Empfehlungen des Ministerkomitees des Europarates zu "neuen Wegen im Umgang mit Jugenddelinquenz und der Rolle der Jugendgerichtsbarkeit" ist ein erster Schritt gemacht, der auch andere internationale Konventionen berücksichtigt.
Die Beteiligung Österreichs und der Schweiz am Deutschen Jugendgerichtstag bietet einen guten Anlass, die aktuellen nationalen Regelungen und Praxiserfahrungen in den Kontext europäischer Vorstellungen zu stellen. So will der Arbeitskreis einerseits ein Forum für nachbarschaftlichen Erfahrungsaustausch sein, darüber hinaus aber auch Gelegenheit bieten, über mögliche künftige gesamteuropäische Standards nachzudenken.

Dr. Michael Kilchling, Max-Planck-Institut für Ausländisches und Internationales Strafrecht, Freiburg
Abstract
Für die Entwicklung des Jugendstrafrechts kommt der europäischen Perspektive zunehmende Bedeutung zu. Der Beitrag nimmt zwei Entwicklungen auf: Die Erweiterung der EU nach Osten und Südosten sowie den Griff der EU nach neuen Kompetenzen im Bereich des Strafrechts. Zunächst soll ein vergleichender Überblick über einige wesentliche Merkmale des Jugendstrafrechts in den zwölf neuen Mitgliedsstaaten präsentiert werden. Eine der wichtigsten jugendrechtspolitischen Konsequenzen der Integration ist ein klarer Impuls für das Erziehungsmodell und gegen die stetige Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenzen. Dieser mit der Erweiterung einhergegangene Bedeutungsgewinn liberaler Positionen im Jugendstrafrecht könnte freilich im Zuge des von der EU-Kommission betriebenen Zugriffs auf das Strafrecht wieder gefährdet werden. Denn in der EU-Strafrechtspolitik steht die Strafverfolgungseffizienz ganz im Vordergrund. Sollte die Kompetenzverlagerung auch das Jugendstrafrecht ergreifen – bei einigen aktuellen Kriminalitätsphänomenen wie den an der deutsch-französischen Grenze beobachteten Kinderdieben wäre die Behauptung eines organisierten Hintergrundes und damit einer europastrafrechtlichen Kompetenz ein Leichtes – stünden die Zeichen wohl eher auf Verstrafrechtlichung. Denn ein eigenständiges Jugendstrafrecht mit einem differenzierten, auf Deeskalation, Erziehung und Hilfe ausgerichteten Reaktionskonzept würde in Brüssel wohl ebenso wie die gegenwärtige Regelungsvielfalt vor allem als Vollzugshindernis betrachtet. Jugendkriminalpolitisch sinnvoller könnte stattdessen eine Stärkung des Europarates erscheinen.

Dr. Christoph Bürgin
, Präsident Jugendgericht Basel
Abstract
Um das Schweizerische Jugendstrafrecht begreiflich machen zu können, ist ein sehr kurzer Staatsrechtsexkurs zwingend. Sonst wäre es kaum möglich die beiden bestehenden Modelle (Jugendanwalts - und das Jugendgerichtsmodell) verstehen zu können. Nur in Kenntnis dieser beiden Systeme macht es Sinn, über die im AK zu behandelnden Schwerpunkte des am 1.1.2007 in Kraft getretenen Jugendstrafgesetzes und der neu zu schaffenden Jugendstrafprozessordnung zu referieren. Der Referent wird es aber nicht lassen können, sich im letzten Teil des Einführungsreferates kritisch über die zurzeit in der Schweiz herrschende politische Diskussion zur Jugendgewalt zu äussern. Neu an dieser Diskussion ist die Tatsache, dass mit diesem schwierigen Thema knallharter Wahlkampf betrieben wird.

Prof. Dr. Alois Birklbauer, Institut für Strafrecht, Johannes Kepler Universität Linz
Abstract
Im Bereich der Reaktionen auf strafbares Verhalten war das Jugendstrafrecht stets Motor und Vorbild für Veränderungen im Erwachsenenstrafrecht. So wurde die Diversion vor ihrer Einführung in das Erwachsenenstrafrecht mehr als 10 Jahre im Jugendstrafrecht erprobt. Durch die Begrenzung des Jugendstrafrechts auf unter 18-jährige im Jahre 2001 kam es jedoch zu einem Rückbau. Auch wenn durch die Erweiterung beschuldigtenfreundlicher Verfahrens- und Strafvollzugsbestimmungen auf junge Menschen bis 21 eine Gegensteuerung versucht wurde, ist im Ergebnis eine Verschärfung eingetreten und die einstige Motorrolle einem Stillstand gewichen. Neue Impulse sind daher gefragt.

Leitung: Christian Scholz, Jugendrichter am AG Lüneburg

Letzte Änderung dieser Seite: 
10.06.2013

+++ 4. Bundeskongress - "Flucht nach vorne" +++

Vom 19. bis 21.09.2018 findet der 4. Bundeskongress der Jugendhilfe im Strafverfahren und der ambulanten sozialpädagogischen Angebote für straffällig gewordene junge Menschen unter dem Titel "Flucht nach vorne" in Bad Kissingen statt. Nähere Informationen zum Inhalt und zur Anmeldung finden Sie hier.

27. JGT 2007

27. Jugendgerichtstage

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend